Freiberg (Sachsen) - Tief unter Freiberg, auf der ersten Sohle des alten Silberbergwerks "Reiche Zeche", reift ein Whisky, der alles andere als gewöhnlich ist.
Der Abstieg erfolgt dabei im Förderkorb 147 Meter in die Tiefe. Dann führt ein schmaler Stollen zu einer Tür mit der Aufschrift "Sprengmittellager". Doch dahinter lagert nicht etwa Dynamit, sondern 16 Eichenfässer gefüllt mit Whisky der Freiberger Whisky Manufaktur.
Im Bergwerk soll die Spirituose besonders gut reifen. Woran das liegt, wird noch erforscht, weiß Hans-Michael Eßlinger (70).
Der Diplom-Ingenieur für Brauwesen und Getränketechnologie war viele Jahre Chef der Freiberger Brauerei und vor etwa zehn Jahren Mitbegründer der Whisky Manufaktur.
"Whisky ist der große Bruder vom Bier. Es sind die gleichen Rohstoffe, nur ohne Hopfen. Und es ist mit der Destillation eine Stufe mehr als beim Bier", erklärt Eßlinger.
In Freiberg entstehen jährlich 1000 Flaschen Whisky
Klar ist, dass unter Tage konstante minus zwölf Grad, hohe Luftfeuchtigkeit und ein stabiler Luftzug herrschen. Das wirkt sich direkt auf die Reifung aus: Im Gegensatz zur Lagerung über Tage steigt der Flüssigkeitsstand in den Fässern, statt zu sinken.
Gerade diese Besonderheiten machen den Standort auch für die Wissenschaft interessant. Deshalb stehen die Fässer im Versuchsbergwerk der Bergakademie. Dort untersuchen Forscher sowohl den Einfluss des unterirdischen Klimas auf die Mikrobiologie als auch auf die Aroma-Bildung.
Denn bisher ist deutscher Whisky Mangelware. Kassenschlager war 2024 schottischer Whisky mit 19,3 Millionen verkauften Flaschen. In Freiberg entstehen hingegen jährlich nur rund 1000 Flaschen.
Doch um die Menge geht es den Freibergern gar nicht, sondern um Qualität: Deshalb soll der Whisky auch künftig fünf statt drei Jahre im Bergwerk reifen.