Gedenktag in Pirna: Sachsen erinnert an die Vertreibung der Deutschen vor 80 Jahren

Pirna - An die Vertreibung der Ungarndeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg gedachten am Dienstag in Pirna Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (50, CDU) und der ungarische Staatspräsident Tamás Sulyok (69).

Nikolaus Drexler (88) kam als Kind aus Ungarn nach Deutschland.
Nikolaus Drexler (88) kam als Kind aus Ungarn nach Deutschland.  © Steffen Füssel

An der Kranzniederlegung an der "Grauen Kaserne" nahmen auch Zeitzeugen teil. "Wir kamen mit dem Viehwaggon 1948 in Pirna an. Ich war zehn Jahre alt, als man meine Familie zwang, Ungarn zu verlassen", berichtete Nikolaus Drexler (88).

Die Familie wurde nach Porschdorf in die Sächsische Schweiz weitergeschickt. Sie erlebte da Hunger und Elend.

"Zwei Herzen schlagen in meiner Brust. Ein ungarisches und ein deutsches", sagte Drexler, der nach der Wiedervereinigung als Sebnitzer Landrat Verantwortung trug.

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"Ich war dreieinhalb Jahre alt, als man meine Familie zwangsaussiedelte und enteignete. Wir kamen nach Pirna und später zu einem Bauern nach Herzogswalde. Wir hatten damals kaum zu essen", berichtete Teresia Malisch (81).

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (50, CDU) und Ungarns Staatspräsident Dr. Tamás Sulyok (69) beim Gedenken in Pirna.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (50, CDU) und Ungarns Staatspräsident Dr. Tamás Sulyok (69) beim Gedenken in Pirna.  © Steffen Füssel
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Ein Fotodokument aus der Zeit der Vertreibung aus dem Schlesischen Museum zu Görlitz.
Ein Fotodokument aus der Zeit der Vertreibung aus dem Schlesischen Museum zu Görlitz.  © imago/Stefan Hässler

In Ungarn ist er bereits nationaler Gedenktag

Verwandte und Freunde begleiteten gestern Teresia Malisch (81/2.v.l.) nach Pirna.
Verwandte und Freunde begleiteten gestern Teresia Malisch (81/2.v.l.) nach Pirna.  © Steffen Füssel

Die Seniorin lebt heute in Wilsdruff. Drei Kinder zog sie groß. Ihr ist wichtig: "Das Schicksal der Menschen, die Zwangsaussiedlung, Flucht und Vertreibung erlebt haben, darf nicht in Vergessenheit geraten."

Fast 50 000 Ungarndeutsche kamen in Wellen 1947 und 1948 nach Sachsen. Die "Graue Kaserne" in Pirna diente damals als Erstaufnahme Vertriebener.

In Ungarn ist der 19. Januar seit 2012 sogar nationaler Gedenktag zur Vertreibung der Ungarndeutschen.

An der "Grauen Kaserne" in Pirna erinnert eine Gedenktafel an das Schicksal der Ungarndeutschen.
An der "Grauen Kaserne" in Pirna erinnert eine Gedenktafel an das Schicksal der Ungarndeutschen.  © Steffen Füssel

Michael Kretschmer machte den Ernst der Lage deutlich: "Daraus sind Traumata entstanden"

Eine Gruppe junger Ungarndeutscher aus Pécs rührte in Pirna mit ihrem Kulturprogramm über Vertreibung und Heimat viele zu Tränen.
Eine Gruppe junger Ungarndeutscher aus Pécs rührte in Pirna mit ihrem Kulturprogramm über Vertreibung und Heimat viele zu Tränen.  © Steffen Füssel

"Das unterscheidet Ungarn sehr von anderen Ländern, in denen solche Vertreibungen stattgefunden haben", betonte der Ministerpräsident. Über diese Geschichte sprach man in der DDR nicht.

"Daraus sind Traumata entstanden, nicht nur für diejenigen, die das unmittelbar erlebt haben, sondern auch für die nachfolgenden Generationen", so Kretschmer.

Staatspräsident Sulyok sagte: "Die Vertreibung der Ungarndeutschen war eine schädliche Sünde am Menschen. Nach dem blutigen Weltkrieg wurden nicht erst die Wunden geheilt, sondern vielmehr neue Wunden aufgerissen."

Titelfoto: Steffen Füssel

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