Hier arbeitet Sachsen für Rüstung und Weltraum
Wilsdruff - Seit dem Ukraine-Krieg sind die Aufträge der Firma PMG im Bereich Rüstung und Verteidigung gestiegen. Das interessiert auch Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (50, CDU). Ein TAG24-Exklusiv-Bericht.
Industriegebiet Wilsdruff. Ein Aldi-Logistikzentrum ist nicht weit. Das Tor zur Firma PMG ist eines wie viele. Zwei schwarze Limousinen parken schon vor der unscheinbaren Industriehalle.
Beim Rundgang durch die Fertigung ist Michael Kretschmer ganz Ohr, scheint jedes Wort von Geschäftsführer Torsten Freudenberg (59) aufzusaugen.
Auch wenn PMG kaum jemand kennt, die Firma hat ein beeindruckendes Portfolio. Spezialisiert auf Fräsen, Bohren, Drehen, Montieren und Lackieren, stellen die 86 Mitarbeiter Bauteile und Systemgruppen aus Aluminium, Titan oder Edelstahl von bis zu 3200 Millimeter Länge und einem Durchmesser von bis zu 1000 Millimeter her.
Freudenberg bleibt an einer Drehmaschine stehen. "Wir produzieren heute 70 Prozent für die Luft- und Raumfahrt und 20 Prozent für den Bereich Verteidigung." Der Rest verteilt sich über Branchen wie Motorsport, Medizin, Optik oder Forschung.
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Kretschmer: "Die meisten der Firmen sind im Westen"
Gleich am Eingang steht das größte Werkstück der Firma. "Ein Dämpfungssystem für Schwerlastfahrzeuge des Militärs", erläutert der kaufmännische Leiter Jörg Rüffert (36). Heißt übersetzt: für Panzer.
Das System ist Teil eines internationalen Projekts unter der Regie von Spanien. 2027 soll die Serienfertigung starten. Erst vor wenigen Tagen war eine Delegation des spanischen Verteidigungsministeriums zu Besuch.
"Wir stecken 100 Milliarden Euro in die Rüstung. Aber die meisten der Firmen sind im Westen", sagt der Ministerpräsident plötzlich.
Lieber wäre ihm, wenigstens einige davon produzierten im Freistaat. Das und den Strukturwandel in Südwestsachsen zusammenzubringen - "dazu braucht es Ideen, und die bekommt man nur, wenn man mit Leuten spricht, die schon dabei sind", sagt er.
PMG macht 10,7 Millionen Euro Jahresumsatz. Zu den Kunden gehören Airbus, Deutsche Aircraft und Jenoptik. Auch für Elon Musks SpaceX hat PMG schon gearbeitet. So bald wie möglich soll eine weitere Halle am Standort hinzukommen.
Dann ist der Rundgang fast so schnell beendet, wie er begonnen hat. Und? Ideen gesammelt? "Ja", sagt Kretschmer im Brustton der Überzeugung - und schweigt.
Titelfoto: Bildmontage: Petra Hornig, IMAGO/Pond5 Images, IMAGO/USA TODAY Network, IMAGO/ABACAPRESS

