Verein mit Herz bewahrt Pferde vor dem Schlachter

Klipphausen - Der Traum vom eigenen Pferd auf der Koppel kann für manche Besitzer aufgrund von Krankheit, Scheidung oder finanzieller Not zur untragbaren Last werden. Der letzte Weg für das geliebte Tier führt dann zum Schlachter. Damit das nicht passiert, gründete Dagmar Großer (77) vor drei Jahren in Klipphausen den Verein "Hilfe für Pferde in Not". Inklusive einer anonymen Abgabestelle für Pferde.

Dagmar Großer (77) mit einem ihrer Lieblinge.
Dagmar Großer (77) mit einem ihrer Lieblinge.  © Holm Helis

Schon als Mädchen träumte Dagmar Großer von einem eigenen Pony. Doch das Leben führte sie mit Ehemann und Deutscher Dogge zunächst in den fünften Stock eines Plattenbaus in Cottbus. Das Ehepaar suchte einen Neuanfang und fand im Meißner Land ein "verwahrlostes Objekt".

Daraus wurde ein Restaurant mit Western-Charme, das "Western Inn" an der B6. Und dazu gehören nicht nur Hüte, selbstgebastelte Pfeile und ein Lasso, sondern auch echte Pferde: "Das erste war ein Ponyhengst namens Bento. Ich hatte überhaupt keine Ahnung", sagt Dagmar Großer und lacht herzlich.

Die Folgen: Bisse, Tritte und Chaos. "Eines Tages stand das Pferd plötzlich im Restaurant und die Gäste auf den Tischen."

Pony-Dame Kylie bleibt für immer auf dem Pferdehof. Ihre 44 Pferdejahre ergeben umgerechnet über 100 Menschenjahre.
Pony-Dame Kylie bleibt für immer auf dem Pferdehof. Ihre 44 Pferdejahre ergeben umgerechnet über 100 Menschenjahre.  © Holm Helis
Hinter dem Restaurant "Western Inn" an der B6 zwischen Dresden und Meißen ist die Pferdeklappe zu finden.
Hinter dem Restaurant "Western Inn" an der B6 zwischen Dresden und Meißen ist die Pferdeklappe zu finden.  © Holm Helis
Eine Mitarbeiterin versorgt ein Pferd gegenüber von Ranch und Restaurant.
Eine Mitarbeiterin versorgt ein Pferd gegenüber von Ranch und Restaurant.  © Holm Helis

Dagmar Großer gründete den Verein "Hilfe für Pferde in Not"

Die beiden Vorsitzenden des Vereins "Hilfe für Pferde in Not": Dagmar Großer (77) und Maren Jurisch (24) an der Pferdeklappe.
Die beiden Vorsitzenden des Vereins "Hilfe für Pferde in Not": Dagmar Großer (77) und Maren Jurisch (24) an der Pferdeklappe.  © Holm Helis

Doch es verschwanden in der Umgebung auch Pferde von den Koppeln: "Die Halter waren überfordert, geschieden oder pleite und brachten gesunde Pferde zum Schlachter", sagt Großer leise.

Vor drei Jahren gründete sie den Verein zur Rettung von Pferden in Not. Kaum ein Tag vergeht dabei ohne Hilferuf. So auch kurz vor Neujahr, als eine Schweizer Pferdebesitzerin ihr Tier abgeben musste. Wenig später wurde ein neues Zuhause bei einem Halter in Leipzig gefunden.

"Wir sind kein Gnadenhof und auch keine anonyme Abgabestelle ohne Vorabkontakt", betont Maren Jurisch (24), zweite Vorsitzende des Vereins. Dennoch gibt es die Möglichkeit, ein Pferd im absoluten Notfall anonym abzustellen. Das sei bisher nicht vorgekommen.

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Der Verein zählt derzeit 22 Mitglieder. Der Monatsbeitrag beträgt sieben Euro: "Und jeder Penny hilft", sagt Großer.

Infos: www.hilfe-fuer-pferde-in-not.de

Titelfoto: Holm Helis

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