Bedenkliche Windkraft-Pläne: Wird Sachsens Landschaft drastisch verändert?
Dresden - Ein Sturm zieht auf über Sachsen! Die Regionalpläne für Windräder sind da und haben das Zeug, unsere Landschaften drastisch zu verändern. TAG24 hat die Hunderte Seiten starken Pläne für Dresden und Chemnitz durchgeackert. Und entdeckt: Bedenken bezüglich Landschaftsschutzgebieten, Wäldern und Lärm werden von den Planern offenbar ignoriert.
Darum geht's: Die Bundesländer sind verpflichtet, bis nächstes Jahr 1,3 Prozent ihrer Landesfläche für Windkraft zur Verfügung zu stellen. Diese Vorgaben wurden an regionale Planungsverbände delegiert.
Die bauten die Windplanung in vier Regionen nun massiv um: Windräder sollen nur noch in ausgewiesenen Windenergie- und Vorranggebieten gebaut werden. Letztere sind besonders heikel.
Denn laut Bundesgesetz liegen erneuerbare Energien "im überragenden öffentlichen Interesse" - und stellen somit Umwelt-, Tier- oder Lärmschutz hinten an. Sollte der Freistaat bis 2028 keine 1,3 Prozent Windkraft-Flächen gefunden haben, dürfen überall (!) Windräder vorrangig gebaut werden.
Und: Die Pläne sind nur Zwischenziele. Bis 2030 sollen 2 Prozent Landesfläche und neue Pläne her. Ende des Monats startet die Beteiligungsphase, in der sich Bürger, Kommunen und andere Gruppen einbringen können.
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Windkraft in Sachsen: Diese Änderungen haben es in sich
Die zentralen Änderungen haben es schon jetzt in sich:
• Allein in den Planungsregionen Oberes Elbtal/Osterzgebirge (Großraum Dresden) und Chemnitz sollen 14.200 Hektar Land zur Windkrafterzeugung verwendet werden. Eine Fläche von fast 20.000 Fußballfeldern. Die Pläne priorisieren allerdings Gebiete, in denen schon Windräder stehen.
• "Repowering" wird stark vereinfacht. Heißt: Alte Windparks können durch deutlich höhere Anlagen ersetzt werden. Die Referenzgröße in den Plänen ist bis zu 300 Meter hoch, die Rotoren sind 85 Meter lang!
• Wald galt lange als faktische Tabuzone. Nun sollen privatwirtschaftliche und beschädigte Waldflächen für Windräder ausgewiesen werden.
Letzteres wird wohl für Dresden zum Verhängnis. Denn inmitten der Dresdner Heide wütete der Borkenkäfer. Unterhalb der Kreuzung Langebrücker/Radeberger Landstraße wurde nun ein Vorranggebiet (!) ausgewiesen. Die übrigen Flächen im Stadtgebiet: östlich des Triebenbergs, Dresdens höchstem Berg, und östlich von Rossendorf.
Diese Landschaftsschutzgebiete fallen dem Planstift zum Opfer
Insgesamt erstreckt sich der Planungsverband vom Landkreis Meißen bis ins Osterzgebirge. Zum ersten Mal überhaupt wurden Flächen in Dresden ausgewiesen.
Doch auch weitere Landschaftsschutzgebiete fallen dem Planstift zum Opfer: in Kipsdorf, Gemeinde Altenberg etwa, wo Anlagen in einem Wald innerhalb des Oberen Erzgebirges geplant werden oder auch in Hermsdorf, wo nahe einem Trinkwasserschutzgebiet gebaut werden soll.
Die Region Chemnitz erstreckt sich vom Vogtlandkreis bis Mittelsachsen.
Hier kommen nur knapp zehn Prozent der Fläche infrage. In den ausgewiesenen Windgebieten entfällt aber die Abstandsregelung, wonach bislang eigentlich ein Kilometer zwischen Siedlungen und Windrädern liegen musste.
Wie auch weitere Schutzregeln: Der Windpark oberhalb Rabensteins soll trotz Arten- und Biotopschutzbedenken erweitert werden, genauso Windparks südöstlich von Crimmitschau, Reichenbach (Vogtland) oder auch nördlich des Übungsplatzes Marienberg. Der umstrittene Windpark Euba ist nun ebenso Vorranggebiet wie die Dresdner Heide.
Titelfoto: Bildmontage: imago images/Jochen Tack, IMAGO/Zoonar, Picxell

