Hohe Kosten, wenig Geld: Sachsens Theater kämpfen ums Überleben

Von Katrin Mädler und Anett Böttger

Leipzig/Görlitz - Auf Sachsens Bühnen wird weiter gespielt, doch hinter den Kulissen wächst der Druck. Steigende Kosten und knappe öffentliche Kassen bringen viele Theater zunehmend an ihre Grenzen.

Der Deutsche Bühnenverein sorgt sich um die sächsischen Theater.  © Sebastian Kahnert/dpa

"Ihnen geht es mitunter sehr schlecht", sagt Lutz Hillmann, Geschäftsführer beim Deutschen Bühnenverein, Landesverband Sachsen. Viele Häuser hätten mit "größten finanziellen Schwierigkeiten" zu kämpfen. Tarifsteigerungen würden die Budgets der Theater zunehmend belasten. "Das kann für einige Häuser der Todesstoß sein." 

Laut Hillmann geht die Schere zwischen wachsenden Kosten und begrenzten finanziellen Möglichkeiten immer weiter auseinander. Besonders angespannt sei die Lage unter anderem am Theater Plauen-Zwickau. Dort stünden Einsparungen in Millionenhöhe im Raum.

Gleichzeitig hätten auch die Trägerkommunen mit eigenen finanziellen Problemen zu kämpfen. Wie die Situation gelöst werden soll, sei derzeit offen. Perspektivisch könnte die Talfahrt auch krisensichere Häuser erreichen.

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Das große Opernhaus in Leipzig etwa stehe vor finanziellen Schwierigkeiten und einer drohenden Insolvenz in zwei bis drei Jahren. "Daran ist zu sehen, wie eklatant die Lage ist." 

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Gestiegene Energie- und Materialkosten belasten Theater

Die Leipziger Oper hat mit finanziellen Problemen zu kämpfen.  © Jan Woitas/dpa

Die Oper Leipzig bestätigt die wirtschaftlich angespannte Lage. Bereits 2025 habe das Haus mit einem deutlichen Minus abgeschlossen, sagt Verwaltungsdirektorin Lydia Schubert. Für die kommenden Jahre werde derzeit mit einem jährlichen Fehlbetrag von rund 2,5 Millionen Euro gerechnet. Rücklagen zur Deckung der Verluste seien inzwischen aufgebraucht.

Als Ursachen nennt Schubert vor allem gestiegene Energie- und Materialkosten sowie Tarifsteigerungen. Gleichzeitig belaste die angespannte Haushaltslage der Stadt Leipzig den Kulturbetrieb zusätzlich.

Um gegenzusteuern, habe das Haus unter anderem interne Sparmaßnahmen eingeleitet. Allein dadurch lasse sich das strukturelle Defizit jedoch nicht ausgleichen, betont Schubert.

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"Die finanzielle Situation ist äußerst unsicher und der Druck enorm", sagt auch der Intendant der Erzgebirgischen Theater- und Orchester GmbH in Annaberg-Buchholz, Moritz Gogg. Sollten Tarifsteigerungen nicht künftig berücksichtigt werden, drohten Einschnitte. "Dann werden wir Personal oder eine Sparte abbauen müssen." Und auch das Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau schiebe derzeit ein Defizit von rund 1,7 Millionen Euro vor sich her.

Auch das Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau schreibt rote Zahlen.  © Paul Glaser/dpa

Kulturhauptstadt vorsichtig optimistisch

Am Theater Chemnitz ist die Lage derzeit noch stabil, allerdings mit unsicherem Ausblick. Für das laufende Jahr sei der Haushalt ausgeglichen, heißt es aus dem Haus. "Unsicherheit und Sorge gibt es jedoch für die Folgejahre ab 2027", sagt Generalintendant Christoph Dittrich. Hintergrund seien noch ausstehende Haushaltsentscheidungen auf Landes- und kommunaler Ebene. Ein Defizit gebe es aktuell zwar nicht, die finanziellen Spielräume seien jedoch "extrem knapp".

Die Unterstützung für Kommunen über das sächsische Kulturraumgesetz sei zwar seit 2000 um 35 Prozent auf inzwischen rund 105 Millionen Euro pro Jahr erhöht worden. Allerdings stünden dem Tarifsteigerungen von 83 Prozent im gleichen Zeitraum gegenüber. "Die Last ist zu den Kommunen gewandert", verdeutlichte Morgenroth.

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