Im Kampf gegen Krebs: Atom-Reaktor soll Sachsen an die Weltspitze bringen

Radeberg - Sachsens Radiopharma-Branche gehört zu den führenden Europas und strebt an die Weltspitze. "Dafür brauchen wir für Forschungszwecke einen Atom-Reaktor", fordert Dr. Marco Müller (55). Sein Radeberger Unternehmen ABX Advanced Biochemical Compounds ist ein weltweit führender Anbieter von Radiopharmazeutika.

In den kommenden Tagen will ABX in Radeberg sein zweites Zyklotron (Teilchenbeschleuniger, Investition: 35 Mio. Euro) in Betrieb nehmen.
In den kommenden Tagen will ABX in Radeberg sein zweites Zyklotron (Teilchenbeschleuniger, Investition: 35 Mio. Euro) in Betrieb nehmen.  © Holm Helis

Im Kampf gegen Krebs als Geißel der Menschheit hat sich die Radiopharmazie zu einer Schlüsseltechnologie entwickelt. Die Nuklearmedizin nutzt heute schwach radioaktive Substanzen, um Krebszellen zu identifizieren, markieren und gezielt zu zerstören. Marco Müller: "Mit so einem Reaktor könnten wir Millionen von krebskranken Menschen helfen."

Der erfolgreiche Wissenschaftler und Unternehmer bedauert, dass der Forschungsreaktor in Dresden-Rossendorf (war 1957 bis 1991 am damaligen DDR-Zentralinstitut für Kernforschung in Betrieb) abgebaut wurde.

Müller: "Mit einem Reaktor wäre Sachsen heute führend im Bereich der Therapie. Beschleuniger-Technologien für die Nuklidproduktion sind vielversprechend, aber letztlich nur Spielerei im Vergleich zu Reaktoren, die das 10 000-fache an Ausbeute liefern."

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Atom-Forschungsreaktoren gibt es weltweit nur ganz wenige. Der Unternehmer schaut besonders nach Belgien und Australien, wo mit solcher Technik geforscht wird.

ABX will Forschungsreaktor mitfinanzieren

Marco Müller (55, r.) zeigte Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (51, SPD) das Unternehmen ABX in Radeberg.
Marco Müller (55, r.) zeigte Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (51, SPD) das Unternehmen ABX in Radeberg.  © Holm Helis

Der belgische Reaktor ist zu 100 Prozent ausgelastet - vor allem durch die Radiopharmazie. Müller meint, dass für den Bau eines neuen Forschungsreaktors in Sachsen Kosten von etwa 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro zu veranschlagen sind.

ABX (420 Mitarbeiter, 400 Mio. Jahresumsatz, 250 Mio. Euro Gewinn) ist bereit, sich an einer solchen Milliarden-Investition im Freistaat zu beteiligen.

Müller: "Wenn wir den Reaktor dann auch mit ausbeuten dürfen." Er ist zudem überzeugt, dass sächsische Branchen-Kollegen mitziehen würden bei so einem Bauprojekt und einer Kooperation zwischen der öffentlichen Hand und der Privatwirtschaft.

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Ein ABX-Mitarbeiter in der automatisierten Produktion.
Ein ABX-Mitarbeiter in der automatisierten Produktion.  © Holm Helis
ABX entwickelt und produziert Wirkstoffe sowie Verbrauchsmaterialien für die medizinische Bildgebung zur Diagnose von Krebs- und Stoffwechselerkrankungen.
ABX entwickelt und produziert Wirkstoffe sowie Verbrauchsmaterialien für die medizinische Bildgebung zur Diagnose von Krebs- und Stoffwechselerkrankungen.  © Holm Helis

"Wir müssen solche Debatten offen führen", sagt Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (51, SPD). Er besuchte vergangene Woche ABX in Radeberg und hörte dort Müller aufmerksam zu.

Mit Blick auf die gesamte Branche erklärt der Minister: "Investitionen in die Radiopharmazie lohnen sich mehrfach. Sie stärken das Innovationsökosystem und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen."

Titelfoto: Fotomontage (3): Holm Helis

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