Im Seenland wird groß gedacht: Ob im Leipziger Südraum oder in der Lausitz - Megaprojekte stehen an!

Sachsen/Brandenburg - Die geschundenen Bergbaulandschaften sowohl in der Lausitz als auch bei Leipzig werden einmal die herrlichsten Natur- und Freizeitparadiese sein, welche die Touristen in Heerscharen anlocken. So wird es seit Jahrzehnten erzählt und wir freuen uns darauf. Inzwischen stellt sich heraus, dass einige der kühnen Pläne kaum oder nur schwer zu realisieren sind. Hier drei Herausforderungen, woran derzeit an unterschiedlichen Fronten gekämpft wird.

"Fünf Seen - Ein Verbund", heißt es beim Fünf-Seen-Verbund in der Lausitz.  © PR

Der 31. Juli 2026 sollte eigentlich ein Glückstag für den Fünf-Seen-Verbund in der Lausitz werden: An diesem Tag erfolgt die vollständige Freigabe für die Schiffbarkeit auf allen Seen und die verbindenden Kanäle.

Stand jetzt fehlen aber geeignete Schiffe und Unternehmer, welche Fahrgäste durch das Seenland schippern. Die Zweckverbände planen, die Betreibung vorerst selbst zu übernehmen. Eine Herausforderung.

Rund 5300 Hektar touristisch nutzbarer Wasserfläche stehen dann im derzeitigen Kerngebiet des Seenlandes zwischen Brandenburg und Sachsen zur Verfügung.

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Von Nord nach Süd sind das der Großräschener, Sedlitzer, Partwitzer, Geierswalder und Senftenberger See. Wassersportlern und kleinen Motorbooten steht die Wasserlandschaft zur Verfügung. Auf Fahrgastschiffe wird man warten müssen.

Denn die meisten von ihnen sind zu breit (über 5,20 Meter) für die schmalen Kanäle zwischen den Seen. Ein Nadelöhr ist der Ilse-Kanal. Der beinhaltet einen 186 Meter langen Tunnel unter einer Bundesstraße und einer Bahnstrecke.

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Am Geierswalder See wurde der Wohnhafen Scado errichtet. Von hier aus darf man bald über fünf Seen schippern.  © IMAGO/Andreas Franke
Nach und nach füllen sich die Tagebaulöcher mit Wasser. Das Seenland soll Touristen in Scharen anlocken.  © Tourismusverband Lausitzer Seenland e.V.
Mit kleineren Booten kann man ab Juli eine Tour über alle fünf Seen machen. Auf große Passagierschiffe muss man noch warten.  © Nada Quenzel
Der Senftenberger See ist schon seit mehr als 50 Jahren schiffbar.  © picture alliance/dpa

Eckdaten für enormes touristisches Potenzial seit Jahren bekannt

Für den Blunoer See gibt es noch keine Freigabe der Schifffahrt. Hier ist auch die Eisenlast der Zuflüsse sichtbar.  © IMAGO/Andreas Franke

Der Tiefgang darf bei einer Maximalhöhe von 3,05 Metern höchstens 1,20 Meter betragen. Damit sich die Touren wirtschaftlich lohnen, sollten die Schiffe aber 80 bis 120 Fahrgäste mitnehmen können.

Die Eckdaten für die Schiffe und das enorme touristische Potenzial sind seit Jahren bekannt. Dennoch fand sich bisher kein Reeder, welcher ins Risiko geht und ein solches Schiff auftreibt oder bauen lässt.

Zuletzt boten die beiden Zweckverbände aus Brandenburg und Sachsen im Rahmen eines Interessenbekundungsverfahrens an, jeweils selbst einen Ausflugsdampfer zu organisieren und dann betreiben zu lassen. Sie schrieben auch 25 geeignete Unternehmen direkt an. Keines zeigte Interesse.

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"Inzwischen prüfen wir Zweckverbände die Möglichkeit, die Fahrgastschifffahrt für eine Übergangszeit selbst zu betreiben", sagt Daniel Just vom Zweckverband Lausitzer Seenland Sachsen. "Dabei geben wir aber die Hoffnung nicht auf, dass sich trotzdem noch ein Reeder findet."

Vorher aber müssen die Schiffe noch gebaut und dafür Fördertöpfe geöffnet werden. Realistisch gesehen wird voraussichtlich vor 2028 kein Ausflugsdampfer über die fünf Seen fahren.

Eine Bahn soll künftig Boote schleppen

Zwischen Cospudener und Zwenkauer See muss die Schiffseisenbahn unter der Autobahn hindurch.  © ICL Landschaftsarchitektur GmbH

Seit Jahrzehnten war geplant, dass im Leipziger Südraum Schiffe vom Hafen im Zwenkauer See durch den Harthkanal ins Badeparadies Cospudener See schippern können.

Der Bergbausanierer LMBV bekam allerdings kalte Füße und beerdigte 2023 das Projekt - ein schwerer Schlag für die Tourismuskonzepte. Die Akteure vor Ort planen jetzt eine kühne Alternative für den Transport: eine Schiffseisenbahn oder "LakeLink".

Dass ein Kanalbauwerk auf noch so gut befestigtem Kippengrund seine Überraschungen parat hält, erleben die Bergbauingenieure seit 2021 zwischen Störmthaler und Markkleeberger See.

Es rutscht gewaltig. Seit Kurzem bewegt sich auch die Kanuparkschleuse. Touristische Bootsfahrten durch den Kanal sind schon lange und wohl auch künftig nicht mehr möglich.

In die Bodenverdichtung für die 750 Meter zwischen Zwenkauer und Cospudener See waren bereits 35 Millionen Euro geflossen, bevor das Aus für den Harthkanal beschlossen wurde.

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Projekt soll in kommenden Monaten in Vorplanungsphase gehen

Ein mit Wasser gefüllter Trog soll Schiffe über Gleise transportieren.  © ICL Landschaftsarchitektur GmbH

Seither suchen die beteiligten Städte Zwenkau und Leipzig nach einer Möglichkeit, die Umweltschutz- und Tourismusziele weiterhin zu erreichen. Das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie ist eine Schiffseisenbahn.

Die Eckdaten: Ein riesiger mit Wasser gefüllter Trog, welcher ein Fahrgastschiff oder mehrere Motor- und Segelboote fassen kann, wird mit 1,6 km/h als Touristenattraktion die beiden Seen verbinden. Damit zwei solche Badewannen in jede Richtung fahren können, gibt es ein Ausweichgleis.

Bei Angela Zábojnik vom Amt für Stadtgrün in Leipzig laufen die Fäden für die Planung zusammen: "Eine Herausforderung besteht darin, dass LakeLink nur sechs Meter unter der Autobahnbrücke hindurchfährt. Daher müssen Segelboote ihren Mast niederlegen." Man rechnet mit 60.000 Fahrgästen pro Jahr, die Kosten werden derzeit mit 93 Millionen Euro angegeben.

Das Projekt soll in den kommenden Monaten in die Vorplanungsphase gehen. Diese ist nötig, um danach weiteres Geld aus dem Investitionsgesetz Kohleregion beantragen zu können. Mit dem Abschluss der Genehmigungsplanung wird nicht vor 2032 gerechnet.

Dichtwand und Filter gegen rostige Brühe

Vor dem Speicherbecken Lohsa II soll das belastete Grundwasser abgefangen werden.  © Steffen Rasche/LMBV

Besonders im Osten des Lausitzer Seenlandes wird es noch länger dauern, bis alle Restlöcher geflutet sind - vom Tagebau Nochten bis zur Cottbuser Ostsee.

Das Wasser soll hier vor allem aus der Spree kommen. Diese trägt aber eine enorme Eisenfracht, was zur Verockerung der Seen führen würde. Daher wird gerade der Bau einer gigantischen unterirdischen Dichtwand vorbereitet.

Wer will schon in einer rostigen Brühe baden oder surfen? Oder über braunes Wasser durch den Spreewald paddeln? Nach der jahrzehntelangen Absenkung des Grundwassers steigt dieses wieder an und mobilisiert aus unteren Bodenschichten Stofffrachten wie Eisen und Sulfat.

In den letzten Jahren konnte der Anteil bereits reduziert werden, doch das reicht noch nicht aus. Daher bereitet der Bergbausanierer LMBV derzeit drei große Projekte vor, um Abhilfe zu schaffen.

Dichtwand wird wahrscheinlich erst Ende der 2030er-Jahre fertig

Neben der gigantischen Dichtwand sind noch weitere Maßnahmen wie Filterbrunnen und eine Grubenwasser-Reinigungsanlage vonnöten, um die Verockerung zu reduzieren.  © Grafik: LMBV

Das Vorhaben mit den größten Ausmaßen ist eine unterirdische Dichtwand. Am Nordufer des Speicherbeckens Lohsa II soll auf einer Länge von 7,4 Kilometern eine Mauer 50 Meter, teils 100 Meter, in die Tiefe gegossen werden, welche den Strom des belasteten Grundwassers in Richtung Spree aufhält.

Dazu kommt ein weltweit einmaliges und in der Lausitz erfundenes Schlitzfräsverfahren zum Einsatz. Der einen Meter breite Schlitz wird mittels eines pfahlgeführten Fräskopfes erzeugt.

Das Dichtelement besteht aus einer beidseitigen Tonfilterkruste und einer homogenisierten Mischung aus Aushub, Ton und mineralischen Naturbaustoffen. Die Dichtwand wird wahrscheinlich erst Ende der 2030er-Jahre fertig sein und 100 Millionen Euro kosten.

Ein zweites Projekt ist die Errichtung eines Grundwasser-Riegels mit 80 Filterbrunnen entlang der Spree - etwa alle 100 Meter. Auch hier wird die vollständige Inbetriebnahme noch etwa ein Jahrzehnt dauern. Im Dauerbetrieb sollen dann 25 Millionen Kubikmeter Grundwasser pro Jahr gesammelt werden.

Dieses wird dann zur Grubenwasserreinigungsanlage Schwarze Pumpe weitergeleitet. Als dritte Maßnahme soll dort eine Vorreinigungsstufe errichtet werden, um den Eisengehalt von 360 Milligramm je Liter auf ein Sechstel zu reduzieren.

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