Immer mehr Schüler leiden an psychischen Problemen: Sächsisches Projekt will Abhilfe schaffen

Von Jörg Schurig

Dresden - Psychische Belastungen und Probleme bei Kindern und Jugendlichen machen sich nach Einschätzung von Fachleuten immer mehr im Schulalltag bemerkbar – mit Folgen für Unterricht, Schulklima und Lehrkräfte.

Der Schulalltag kann oft ziemlich anstrengend sein - fast jeder zweite Schüler leidet unter Stress. (Symbolfoto)
Der Schulalltag kann oft ziemlich anstrengend sein - fast jeder zweite Schüler leidet unter Stress. (Symbolfoto)  © Marcel Kusch/dpa

"Nicht nur die Zunahme, auch fehlende abgestimmte Abläufe im Umgang mit psychisch auffälligen Schülerinnen und Schülern belasteten zusätzlich", sagte Veit Roessner (52), Chef der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Dresden, der Deutschen Presse-Agentur.

Wenn nicht frühzeitig geklärt werde, wer wann welche Schritte übernehme, würden Hilfen teils nebeneinander herlaufen, nicht mehr greifen oder zu spät kommen, betonte der Professor. Das zeige sich etwa beim Thema Schulabsentismus.

Wenn ein Kind nicht mehr zur Schule gehe, werde oft ohne kinder- und jugendpsychiatrische Beteiligung darüber beraten, ob ein Bußgeld gegen die Eltern verhängt werde oder welche pädagogische Maßnahme infrage käme.

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"Dem Fernbleiben vom Unterricht kann jedoch eine Vielzahl von Ursachen zugrunde liegen, darunter auch psychische Erkrankungen – etwa Angst- oder Zwangsstörungen", sagte Roessner.

Es bestehe die Gefahr, dass über lange Zeit Maßnahmen ergriffen würden, ohne die eigentliche Problemlage zu klären.

Oft wird das Wichtigste vergessen: "Wir brauchen zunächst eine saubere Diagnostik"

Leistungsdruck, hohe Erwartungen, immenses Arbeitspensum: Schule kann anstrengend sein. (Symbolfoto)
Leistungsdruck, hohe Erwartungen, immenses Arbeitspensum: Schule kann anstrengend sein. (Symbolfoto)  © Julian Stratenschulte/dpa

Roessner zufolge fehlt bundesweit bislang eine einheitliche Strategie: "Wir brauchen zunächst eine saubere Diagnostik". Diese könne aber nicht vom Hausarzt oder vom Sozialarbeiter geleistet werden, sondern nur vom Kinder- und Jugendpsychiater.

"Erst auf dieser Grundlage kann sinnvoll entschieden werden: Wer macht was?" Bei begrenzten Ressourcen sei es wenig sinnvoll, wenn viele Stellen parallel arbeiteten und Schule und Jugendamt womöglich mit widersprüchlichen Maßnahmen reagierten.

In Sachsen soll nun ein Projekt Abhilfe schaffen. Projektpartner sind die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Dresden, das Landeskrankenhaus Arnsdorf und das Kultusministerium.

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Ein Großteil der Maßnahmen wird durch die Otto-Beisheim-Stiftung finanziert – mit dem Ziel, das Vorhaben bei positiven Effekten auszuweiten und zu verstetigen.

Titelfoto: Marcel Kusch/dpa

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