Kampf um die Knolle: Sachsens Tafeln profitieren von Gratis-Kartoffeln
Dresden - Am Donnerstag wurde bekannt, dass rund 4000 Tonnen sächsischer Kartoffeln in Berlin verschenkt werden sollen. Leider ohne die hiesigen Ärmsten zu bedenken. Blitzschnell machte deshalb auch Sachsens Tafel im Kampf um die Knolle mobil und konnte tatsächlich gut zwölf Tonnen abfassen.
Die Kartoffeln drohen derzeit zu verderben, weil der Markt gesättigt ist und die Preise im Keller sind. Als Sachsens Tafel-Chef Stephan Trutschler (64) davon erfuhr, war für ihn klar: "Wenn sächsische Kartoffeln schon nach Berlin gehen, wäre es doch heftig, wenn wir hier nichts davon abbekommen."
Also organisierte er in kurzer Zeit, wie auch Sachsen von der Über-Ernte profitiert.
Doch ganz einfach ist das nicht. Die Ware ist lose und Lagerflächen knapp, sodass die Tafel die angebotenen 40 Tonnen nicht übernehmen kann: "Viele unserer Tafeln haben gar nicht die Kapazitäten für so große Mengen", erklärt Tafel-Chef Trutschler.
Trotzdem können so zusätzliche Tonnen gerettet werden, die unter anderem nach Leipzig, Grimma, Torgau und ins Landes-Verteilzentrum Dresden gehen. "Wir profitieren gerade von der Kartoffelschwemme und freuen uns darüber."
Denn die Alternative wäre bitter: "Biogasanlage oder Müll, aber das muss doch alles gegessen werden und nicht vernichtet."
Schon in den kommenden Tagen sollen die Erdäpfel an die Tafeln gehen. Spontan und ein bisschen chaotisch, aber genau nach Trutschlers Geschmack: "Offenbar hat sich rumgesprochen, dass ich ein leicht verrücktes Huhn bin und das schon irgendwie organisiert bekomme."
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