Landes-Chef besorgt: Immer mehr Rentner müssen in Sachsen zur Tafel
Dresden - Sie bauen Brücken zwischen Armut und Wohlstand: Sachsens Tafeln haben 2025 rund 200.000 Menschen mit geringem Einkommen regelmäßig mit gespendeten Lebensmitteln versorgt. Ein neuer Trend bereitet den ehrenamtlichen Tafel-Mitarbeitern große Sorge.
Sachsens Tafel-Chef Stephan Trutschler (64) berichtet: "Zu unseren Ausgabestellen kommen immer mehr Senioren."
Die betagten Menschen, die zur Tafel kommen, plagen vielmals ähnliche Sorgen. Ihre Renten reichen kaum aus, um die Kosten für Wohnen, Heizen und den Lebensunterhalt zu stemmen.
Jeder dritte Empfänger von Lebensmittelspenden in Sachsen ist dagegen ein Kind. "Das ist seit Jahren schon so", sagt Trutschler traurig.
Sein Lichtblick in trüben Tagen: 2025 wurden insgesamt 1162 Tonnen Großspenden über die Landeslogistik entgegengenommen. Ein Drittel davon kam vom Bundesverband, zwei Drittel akquirierte der Landesverband selbst.
Sachsens Tafeln arbeiten eng mit tschechischen Food-Banken zusammen
"Große Industriepartner unterstützen inzwischen zunehmend mit umfangreichen Warenspenden den Landesverband", freut sich Trutschler.
Als lokale Partner seien dabei besonders die Molkerei in Leppersdorf, die Marke Wurzener sowie die Handelsriesen Edeka, Rewe und Lidl hervorzuheben. Sie führen regelmäßig Aktionen zugunsten der Tafel durch.
Das Netzwerk der Tafeln ist deutschlandweit aufgestellt. Gespendete Lebensmittel werden quer durch die Republik getauscht und verfrachtet, um Bedürftige zu erreichen.
Die Sachsen arbeiten zudem eng mit den tschechischen Food-Banken zusammen. Über die Grenze hinweg wurden 7,5 Tonnen Lebensmittel getauscht - zumeist Molkereiprodukte aus Sachsen gegen Getränke aus Tschechien.
Stephan Trutschler mit klarer Forderung in Richtung Politik
Trutschler: "Über 1000 Ehrenamtliche engagieren sich für die Lebensmittelrettung und die Versorgung von Menschen in Not. Gerade im ländlichen Raum wäre aber auch ohne die zentrale Landeslogistik eine flächendeckende Versorgung kaum denkbar."
In Richtung Politik erneuert er seine Forderung nach einer Anpassung der Fördermöglichkeiten für Betriebs-, Personal- und Transportkosten. "Nach wie vor ist die Arbeit der Tafel strukturell gefährdet."
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