Weniger Alkoholvergiftungen in Sachsen: Dresdner Kinderarzt warnt vor Trugschlüssen
Dresden - Nach einem jahrelangen Anstieg werden in Sachsens Kliniken wieder weniger Kinder und Jugendliche mit Alkoholvergiftungen behandelt. Allerdings warnt der Chef der Universitäts-Kinderklinik Dresden, Reinhard Berner (62), vor falschen Rückschlüssen.
Zuerst die Zahlen: Die Anzahl stationärer Behandlungen Jugendlicher und Kinder mit Alkoholvergiftung ging im Jahr 2024 auf 807 Fälle zurück.
Den Daten des Statistischen Landesamtes zufolge waren das 8,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Bis einschließlich 2019 war die Zahl der zehn- bis 19-Jährigen mit Alkoholrausch noch stetig angestiegen - auf einen Höchststand von 1266.
"Die reine statistische Zahl ist eine trügerische Vorstellung", warnt Prof. Reinhard Berner. Man könne daraus kein kleineres Alkoholmissbrauchs-Problem bei Kindern und Jugendlichen ableiten.
"Es ist sogar so, wenn man unsere Kollegen in den Notaufnahmen fragt, würden sie sagen, die stationär aufgenommenen Kinder haben sehr viel mehr Alkohol und möglicherweise auch noch andere Drogen konsumiert", berichtet der Pädiater.
Dass die Zahl der stationären Behandlungen abnimmt, liegt Berner zufolge vor allem an den veränderten Prämissen bei der Aufnahme.
Jetzt kostenlos für den News-des-Tages-Newsletter anmelden!
Dresdner Kinderarzt: "Ganze Reihe von Kindern oder Jugendlichen, die ein chronisches Alkoholproblem haben"
"Wir schicken mehr Kinder wieder mit ihren Eltern nach Hause, als das vielleicht vor zehn Jahren der Fall gewesen ist."
Im Krankenhaus blieben heute nur die jungen Patienten, bei denen aufgrund eines besonders hohen Alkoholspiegels oder einer Mischintoxikation mit anderen Drogen die Gesundheit oder gar das Leben in Gefahr sind.
In vielen Fällen landen die jungen Patienten nur ein- oder zweimal in der Klinik, etwa weil sie beim Stadtfest über die Stränge geschlagen haben, so Berner.
"Aber wir haben auch eine ganze Reihe von Kindern oder Jugendlichen, die ein chronisches Alkoholproblem haben und immer wieder bei uns sind."
Titelfoto: Bildmontage: Sebastian Kahnert/dpa, picture alliance/dpa

