Menschen tabu: Dieser Tagebau-See gehört der größten Kormoran-Kolonie
Delitzsch - Sie sind der Hauptfeind der Binnenfischer und Angler: Kormorane. In Deutschland werden die Fischräuber deshalb noch immer bejagt. In Nordsachsen jedoch haben die anmutigen Wasservögel eine Schutz-Enklave. Ein Tagebau-See, der für Menschen tabu ist.
Alles in Kürze
- Kormorane haben im Werbeliner See ein geschütztes Brutrevier.
- Der See ist ein Totalreservat, wo Baden verboten ist.
- Die Kormoran-Kolonie umfasst 240 Brutpaare.
- Das Naturschutzgebiet ist 1506 Hektar groß.
- Sachsen produziert 13 Prozent der deutschen Speisefischproduktion.

Bis 1993 fraßen sich westlich von Zschortau noch die Kohlebagger durch die Landschaft. Heute ist der einstige Tagebau Delitzsch-Südwest ein einzigartiges Naturschutzgebiet (NSG) und Rückzugsgebiet Abertausender Wasservögel.
Denn der Mensch hat hier nichts verloren. Der Werbeliner See ist ein sogenanntes Totalreservat, wo sogar Baden verboten ist.
Die wohl größte Kolonie bilden Kormorane. Die wegen ihres schier unstillbaren Fischhungers auch in Sachsen stark bejagten Wasservögel haben am See ihr geschütztes Brutrevier.
Im Auftrag des Landkreises Nordsachsen haben Vogelexperten nun mit einer Drohne den Bestand wissenschaftlich erfasst. Demnach besteht die Kormoran-Kolonie inzwischen aus 240 Brutpaaren, was laut Behörde etwa zwei Drittel des kompletten Brutbestandes dieser Art in Sachsen ausmacht.

Luftbilder wurden zur Auswertung verwendet

Auf den Luftbildern entdeckten die Experten insgesamt 217 Nester im Hauptteil der Werbeliner Kolonie und 23 weitere auf zwei kleinen Inseln südöstlich der Hauptinsel.
"Dies allein verdeutlicht, warum Naturschutzgebiete so wichtig sind: Als Oasen in der menschengemachten Landschaft sind sie Rückzugsorte für natürlich vorkommende Arten, die sonst kaum noch Lebensraum finden", erklärt Alexander Thomas vom NSG-Team.
Das ehemalige Tagebaugebiet mit dem heutigen Werbeliner See ist 1506 Hektar groß und bereits seit 2006 als europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen.
Etwa 800 Hektar davon misst das Totalreservat, in dem sich die Natur ohne menschliche Eingriffe ungestört entwickeln kann. Bis heute wurden hier laut NSG-Team 998 verschiedene Tier- und Pflanzenarten nachgewiesen.
Mehr Fisch aus Sachsen

Karpfen, Regenbogenforelle, Schleie: In Sachsens Aquakulturbetrieben sind im vergangenen Jahr 2096 Tonnen Speisefisch erzeugt worden.
Wie das Statistische Landesamt informierte, entspricht das einer Steigerung von zwölf Prozent. Im Bundesvergleich zählt Sachsen zu den größten Fischproduzenten.
Nach Bayern, Niedersachsen und Baden-Württemberg belegt der Freistaat Platz vier und hat an der deutschlandweiten Speisefischproduktion einen Anteil von 13 Prozent.
Beim Großteil der in Sachsen erzeugten Fische handelte es sich um Karpfen, gefolgt von Regenbogenforelle und Schleie.
Titelfoto: Bildmontage: dpa-Zentralbild; imago/blickwinkel