Minister Gemkow im Verhör: Wird Sachsens Autoindustrie die Krise überleben?

Leipzig - Ein Jahr endet, ein anderes beginnt. Was bringt es? Im TAG24-Interview spricht Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (47, CDU) über Sachsens wirtschaftliche Lebensversicherung und die Autoindustrie und wagt einen Blick weit über 2026 hinaus.

TAG24-Redakteur Thomas Staudt (r.) traf Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (47, CDU) zum Gespräch in dessen Heimatstadt Leipzig.  © Ralf Seegers

TAG24: Herr Gemkow, Sachsen ist auf Halbleiter geradezu fixiert, auch in der Forschung. Das ging schon mal schief. Ist das vor diesem Hintergrund der einzige, der richtige Weg?

Sebastian Gemkow: Im Moment boomt die Branche, besonders in und um Dresden. Und der Bedarf wird in den nächsten Jahren auf jeden Fall weiter wachsen. Was wir wollen, ist, den Boom in die Regionen zu bringen. Und natürlich muss die Entwicklung weitergehen. Das ist die Lebensversicherung für Sachsen.

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Es geht nicht nur um die Produktion, sondern auch um die Entwicklung. Wir haben gerade mit Bayern ein Konsortium für ein Chipdesign-Zentrum geschmiedet, unter anderem maßgeschneiderte Chips für die Wirtschaft. Das ist ein Bereich, in den wir in den nächsten Jahren auf alle Fälle investieren müssen.

TAG24: Aber die Kassen sind leer. Gefährdet das nicht den Wissenschafts- und auch den Wirtschaftsstandort Sachsen?

Die Situation ist paradox: Die Zahlen im laufenden Haushalt sind wahrscheinlich die höchsten, die wir im Land je gesehen haben. Aber darin stecken auch die immensen Kostensteigerungen der letzten Jahre. Der finanzielle Druck auf die Universitäten und Forschungseinrichtungen, wo manche befristete Verträge eben nicht verlängert werden können, ist groß. Trotzdem bin ich sicher, dass wir es schaffen, den hohen Standard zu halten und so bald wie möglich wieder neu durchzustarten.

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Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow sieht Krise als Signal

Robotik ist eine der Schlüsseltechnologien, auf die der Freistaat weiter aufbauen will.  © imago/Sylvio Dittrich

TAG24: Halbleiter sind auch im Bereich Automotive nicht wegzudenken. Wird die sächsische Autoindustrie die aktuelle Krise überleben?

Schwer zu prognostizieren. Vielleicht erleben wir gerade eine Konsolidierungsphase. Die Krise ist auf alle Fälle ein Signal: Wir sollten uns nicht nur auf eine Stärke verlassen. Und das tun wir auch nicht.

Sachsen hat etwa in der Robotik, bei Wasserstoff, bei Biotechnologie, bei Künstlicher Intelligenz, in den Materialwissenschaften oder bei neuromorphem Computing, wo die Funktionsweise des menschlichen Gehirns nachgeahmt wird, viel erreicht. Das sind die Themen unserer Zeit. Die gilt es nun auszubauen.

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TAG24: Wohin führt uns das alles?

Die Schlagzahl bei Innovationen wird deutlich schneller. Unsere Lebenswirklichkeit verändert sich massiv. Wir werden uns viel stärker in virtuelle Welten begeben. Denken Sie daran, was mit Uhren oder Brillen heute schon möglich ist. Irgendwann kommt dann der Chip, der direkt an unserem Gehirn oder den Nervenzellen andockt. Dazu gibt es ja auch Forschungen in Dresden.

TAG24: Was geht in Sachen Wissenschaft 2026 in Sachsen konkret?

Die gute Nachricht: Für die Universitäten gibt es dank der Grundfinanzierung bis 2032 Planungssicherheit. Dann kommt im Frühjahr die Entscheidung, wie es mit der Exzellenzuniversität Dresden weitergeht. Der Aufbau der beiden Großforschungszentren in Görlitz und Delitzsch wird weiter Fahrt aufnehmen. Wir kämpfen für das Einstein-Teleskop, das in der Lausitz realisiert werden soll.

Und wir setzen auf das KI-Institut in Plauen und das KI-Rechenzentrum für die Uni Leipzig. Dort wird der Neubau für das Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie eine große Rolle spielen - um nur einiges zu nennen. 2026 wird auf alle Fälle ein spannendes Jahr.

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