Sachsen - Ein Gespenst geht um in Sachsen, es ist die Angst vor dem Teileinsturz! Seitdem die Carolabrücke in die Elbe flog, blickt das Land mit Argwohn auf 19 weitere Brücken. Denn in ihnen steckt derselbe Hennigsdorfer Spannstahl, der die Dresdner Querung in die Knie zwang. Von Leipzig bis Bad Schandau - dies sind die Sorgenkinder!
Fakt ist: Mehr als ein Drittel der Brücken wird noch nicht gesondert überprüft.
Egal ob die Brücke der S171 in Königstein, der S163 in Porschdorf oder der S190 über die Freiberger Mulde: Bei 7 der 19 mit dem gleichen Spannstahl gebauten Brücken wird die Sonderprüfung knapp anderthalb Jahre nach der Carolabrücken-Katastrophe noch immer vorbereitet.
Denn einzelne Bauwerke seien dringender zu prüfen, schreibt das Landesamt für Straße und Verkehr (LASuV) auf TAG24-Nachfrage.
Alle "Ingenieurbauwerke" in Sachsen würden turnusmäßig überprüft. "Sollten sich dabei Hinweise auf eine Verschlechterung ergeben, wird die Sonderprüfung unverzüglich vorgezogen."
Die Leipziger Agra-Brücke ist der Beweis: Hier musste es plötzlich ganz schnell gehen. 408 Schwerlaststützen mit je 19 Tonnen Tragfähigkeit werden derzeit unter der einsturzgefährdeten Brücke verbaut. Das LASuV hatte mehrere Risse gehört, was die Sicherheit von 30.000 Fahrzeugen pro Tag gefährdet.
Elbebrücke muss neu gebaut werden
Großes Sorgenkind bleibt die Elbebrücke in Bad Schandau. Nach den Wirrungen von Sperrung bis 30-Tonnen-Freigabe ist klar, dass zwei Ersatzneubauten hermüssen. Im Mai soll der Bau der Behelfsbrücke über die Bahngleise beginnen.
Parallel plant das Amt bereits die neue Elbquerung. Die Überwachung mit Sensoren, optischen Messungen und Schallemissionssystemen wird fortgesetzt.
Bei der B101-Brücke bei Großenhain musste nicht viel gemessen werden: Hier wurde schon 2008 Betonkrebs diagnostiziert. Nur fünf Tage vergingen im Dezember 2024 zwischen Sperrung und Abriss. Ein Neubau soll bis spätestens 2027 stehen.
Sondergeprüfte Brücken wie der B169 bei Döbeln oder der B156 über die Spree haben keine Auffälligkeiten ergeben. Aber einen "nützlichen Nebeneffekt": Schlaglöcher ließen sich nun akustisch dokumentieren.
"Die Lage ist anspruchsvoll", sagt die neue LASuV-Präsidentin Gabriele Ladewig (61) zu TAG24. "Meine Kollegen liefern dafür eine solide fachliche Basis – ohne Schönfärben, ohne Alarmismus." Die neue "Mutter" von Sachsens größten Sorgenkindern verspricht Transparenz, "nur so bleibt das Vertrauen in unsere Entscheidungen bestehen".