Nach Jahren des Rückgangs: Ladendiebstähle nehmen in Sachsen wieder zu

Dresden - Ladendiebe werden immer dreister. Seit drei Jahren steigen die Fallzahlen in Sachsen. Betroffen sind in über zwei Dritteln der Fälle Geschäfte in Leipzig, Dresden und Chemnitz. Ein Blick auf die Fakten.

"Es sind viele Kinder und Jugendliche unter den Tatverdächtigen", weiß LKA-Sprecher Kay Anders (43).
"Es sind viele Kinder und Jugendliche unter den Tatverdächtigen", weiß LKA-Sprecher Kay Anders (43).  © Holm Helis

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2024 verzeichnet 20.438 Ladendiebstähle landesweit.

Allein in Leipzig werden fast 7000 Fälle registriert. Erst dahinter rangiert Dresden mit knapp 5000 Fällen. Insgesamt entfallen fast 70 Prozent aller Ladendiebstähle auf die drei Großstädte im Freistaat.

Von den 13.557 Tatverdächtigen hatten 37,6 Prozent keinen deutschen Pass. Insgesamt waren "verhältnismäßig viele Kinder und Jugendliche" darunter, teilt Kay Anders (43), Sprecher des Landeskriminalamts Sachsen (LKA), auf TAG24-Anfrage mit.

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Die Diebe haben es laut dem Handelsverband Sachsen (HVS) vor allem auf Sneakers, Elektronik, Tabakwaren, Parfüm und Kosmetikartikel abgesehen.

Manche Diebe werfen ihren Komplizen ganze Kartons mit Kaffee übers Drehkreuz zu und verschwinden, erzählt ein Mitarbeiter einer Leipziger Aldi-Filiale im Rahmen der TAG24-Recherche.

Auch Alkohol und Energy-Drinks sind Ziel vieler Ladendiebe.
Auch Alkohol und Energy-Drinks sind Ziel vieler Ladendiebe.  © picture alliance/dpa
Mehr Kameras: Geschäfte in Sachsen haben bei der Technik gegen Ladendiebe längst aufgerüstet.
Mehr Kameras: Geschäfte in Sachsen haben bei der Technik gegen Ladendiebe längst aufgerüstet.  © imago/imagebroker
Anders als früher nutzen seit einigen Jahren auch kleinere Filialen im Freistaat den Wachschutz.
Anders als früher nutzen seit einigen Jahren auch kleinere Filialen im Freistaat den Wachschutz.  © picture-alliance / maxppp

Dunkelziffer liegt wohl bei 90 Prozent

Auf frischer Tat werden Ladendiebe - wie hier in Chemnitz - nicht häufig ertappt. Zudem ist die Dunkelziffer erschreckend.
Auf frischer Tat werden Ladendiebe - wie hier in Chemnitz - nicht häufig ertappt. Zudem ist die Dunkelziffer erschreckend.  © imago/HärtelPRESS

Bis einschließlich 2022 gingen die Ladendiebstähle zurück (2015: 23.169 Fälle/2022: 16.408). Mehr Video- und Warensicherung sieht das LKA als Gründe für diese Entwicklung. Seit 2023 klettern die Zahlen wieder.

2025 sind sie mindestens so hoch wie im Vorjahr, so die Polizei. Aktuelle Zahlen will sie mit der nächsten PKS in ein paar Wochen vorlegen.

Für Toni Schönherr (35) vom BVMS, dem Bundesverband mittelständischer Sicherheitsunternehmen und Geschäftsführer des Freiberger Sicherheitsdiensts Themis, ist ein Grund für den erneuten Anstieg der, dass heute auch kleinere Filialen auf Sicherheitsdienste zurückgreifen.

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"Mehr Filialen bedeuten zwangsläufig mehr potenzielle Einsatzorte und eine höhere Sensibilität für sicherheitsrelevante Themen."

Und dann ist da noch die Dunkelziffer. Nach Studien des Forschungsinstituts des Handels EHI liegt sie bei unglaublichen 90 Prozent. Den Schaden für den sächsischen Einzelhandel insgesamt schätzt HVS-Hauptgeschäftsführer René Glaser allein für 2024 auf 140 bis 225 Millionen Euro (Deutschland: drei Milliarden Euro).

Titelfoto: Bildmontage: Holm Helis, picture alliance/dpa, picture-alliance / maxppp

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