Hohnstein - Entlang des rauschenden Grünbachs im Tal des Amselgrunds schlummert die mehr als 150 Jahre alte Amselfallbaude. Über Generationen hinweg standen hier Wanderer für eine kühle Limo Schlange. Das ist längst Geschichte: Ein mit grünen Netzen verhülltes Gerüst verschleiert die einst so beliebte Einkehr und lässt sie zunehmend verwittern.
Der Grund: 2017 stürzten Felsen auf Gebäude und Weg. Seitdem ist alles dicht. Eigentümer ist der Freistaat, doch die Verantwortung schieben sich mehrere Ämter seither hin und her.
Hohnsteins Bürgermeister Daniel Brade (45, SPD) ist sauer: "Nach der Wende wurden Millionen reingesteckt. Nun fault uns die Baude weg." Für ihn ist klar: "Im Prinzip kann das weggerissen werden."
Der hauptverantwortliche Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) hält dagegen: "Die Sicherheit für Leib und Leben hat oberste Priorität", betont Sprecher Dirk Reelfs (64).
Zwar wurden Felsen mit Stahlseilen abgesichert und ein Gerüsttunnel für Wanderer errichtet. Das reicht allerdings nur für den täglichen Wanderverkehr. Es bleibt ein 15-prozentiges Restrisiko für Steinschläge. Somit bräuchte die Baude als Aufenthaltsort höhere Standards, weiß SIB-Sprecher Reelfs.
Der Stillstand geht tief ins Geld
Der Stillstand kostet: Seit 2018 flossen mehr als 17.000 Euro in die Sicherung der leer stehenden Baude. Felssicherungen und Gerüst kosteten den Freistaat etwa 170.000 Euro.
Wie es weitergeht? Eine Entscheidung solle "so bald wie möglich" fallen, so Reelfs.
Für Einheimische klingt das nach acht Jahren nur noch nach einem leeren Versprechen: "Ich bin hier mit meiner Oma schon rauf und runter. Dann gab's eine Brause", erinnert sich die Ur-Hohnsteinerin Marion Zeibe (62).
Auch ihr Mann Jürgen (61) wundert sich: "Woanders gibt es auch solche Felsen, die entsprechend abgesichert werden."
Touristen reagieren nüchterner. Die Hamburger Lara Diener (29) und Sebastian Kahl (37) waren überrascht von der verlassenen Baude: "Es ist vernünftig. Immerhin ist die Natur noch sichtbar."