Sachsen will Welterbe-Liste erweitern
Dresden - Sachsen will künftig beim Kulturerbe noch stärker vertreten sein. Für die Aufnahme ins bundesweite Verzeichnis für immaterielles Kulturerbe schlägt der Freistaat die Sebnitzer Kunstblume, die Meißner Porzellanherstellung sowie die Sportart Parkour und die Fankultur am Sachsenring vor. Vor allem die beiden letztgenannten Vorschläge überraschen.
Kulturministerin Barbara Klepsch (60, CDU): "Das immaterielle Kulturerbe ist tief in den Regionen unseres Freistaates verwurzelt. Es lebt vom Engagement der Menschen vor Ort, die Traditionen bewahren und zugleich weiterentwickeln."
Die Porzellan- und Kunstblumen-Produktionen stehen für ehrwürdiges Handwerk. Seit fast 200 Jahren werden in Sebnitz unvergängliche Blüten gefertigt. In Meißen erfand man 1708 das erste echte Hartporzellan Europas – das muss man kaum erklären.
Schwieriger wird das beim Parkour. Bei dem Trendsport geht es darum, sich möglichst schnell und direkt von A nach B im urbanen Raum zu bewegen.
Parkour entstand Ende der 1980er-Jahre in Frankreich und verbreitete sich seit den 2000er-Jahren in Deutschland. Hinter dieser Kulturerbe-Bewerbung stehen der Dresdner Verein ParkourONE und der Deutsche Parkourverband.
Die Fankultur am Sachsenring beschäftigte gar im vergangenen Oktober den Landtag. Das BSW hatte damals den Antrag "Rrrräng-gedäng-gedäng! Bewerbung Fankultur am Sachsenring als immaterielles Kulturerbe unterstützen" eingebracht.
Der Vorstoß fand einige Motorsportfans im Parlament. Allein – für eine Mehrheit reichte das nicht. Die aktuelle Bewerbung reichten nun Sachsenring und Tourismusverband Chemnitz/Zwickau ein.
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Es geht um Brauchtum, aber nicht nur
Ein Expertengremium bei der deutschen UNESCO-Kommission wird jetzt die neu eingereichten Vorschläge bewerten.
Wohl im Frühjahr 2027 entscheidet die Kulturministerkonferenz, was ins bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wird.
Diese Liste zählt bislang 173 Einträge. Aus Sachsen sind dabei: das Singen des Steigerliedes, die Genossenschaftsidee, sorbische Bräuche und Feste und Bergsteigen.
Hopp oder top: Die vier "Kandidaten" haben es bereits auf die sächsische Landesliste (inzwischen 21 Einträge) geschafft.
Mit ihnen neu auf der Liste stehen außerdem die drahtgebundene Telefonie, der Zuchtweg der Buckfastbiene sowie die Herstellung und das Spiel der deutschen Posaune.
Diese Instrumente wurden in Leipzig und im Vogtland entwickelt und gebaut.
Starker Auftritt, August!
Ein Kommentar von Jacqueline Grünberger
Anlässlich der Nominierung der Porzellanherstellung als immaterielles Kulturerbe bekam die Meissener Porzellan-Manufaktur besonderen Besuch: "August der Starke" ließ es sich nicht nehmen, persönlich vorbeizuschauen.
Ganz zur Freude der Manufaktur-Chefin Anja Weidemann (50). Denn dass das traditionsreiche Handwerk bereits seit 315 Jahren bestehen kann, "haben wir August dem Starken zu verdanken. Immerhin ist er der Begründer der Manufaktur", weiß die Manufaktur-Chefin.
Umso mehr freut sie sich nun, dass die Porzellanherstellung auch "bundesweit als immaterielles Kulturerbe aufgenommen werden soll".
Titelfoto: dpa/Robert Schlesinger

