Leipzig - Es hört nicht auf! Auch in diesem Jahr ist der Eigenanteil, den Pflegebedürftige für einen Platz im Heim zahlen müssen, wieder kräftig angestiegen. Weil deshalb immer mehr ältere Menschen im Freistaat zu Sozialfällen werden, fordert Sachsens Verbraucherzentrale (VZS) eine Reform der Pflege.
In Sachsen müssen Pflegeheimbewohner im ersten Aufenthaltsjahr inzwischen durchschnittlich 2986 Euro monatlich aus eigener Tasche zahlen. Im Jahr zuvor lag der Eigenanteil noch bei 2720 Euro - eine Steigerung um neun Prozent! Das geht aus aktuellen Auswertungen des Verbandes der Ersatzkassen hervor.
Seit Wochen suchen Pflegebedürftige und deren Familien nun Rat bei Sachsens Verbraucherschützern.
"Die steigenden Kosten bringen immer mehr Pflegebedürftige und ihre Angehörigen an ihre finanziellen Grenzen", berichtet VZS-Referentin Micaela Schwanenberg. Viele Betroffene könnten die Eigenanteile nicht mehr aus Einkommen oder Vermögen stemmen.
Entsprechend steigt die Zahl der Menschen, die auf Hilfe zur Pflege angewiesen sind. "Inzwischen muss fast jeder dritte Pflegebedürftige Sozialhilfe in Anspruch nehmen", so Schwanenberg.
Laut Barmer-Pflegeatlas gelten im Freistaat 341.500 Menschen als pflegebedürftig. Davon werden knapp 70.000 in stationären Einrichtungen betreut.
Nach arbeitsreichem Leben plötzlich Sozialfall
Wer aus laufenden Einnahmen den Eigenanteil nicht erbringen kann, dessen Vermögen wird bis auf einen Schonbetrag von 10.000 Euro herangezogen.
Danach gelten Kinder, deren Bruttojahreseinkommen über 100.000 Euro liegt, als unterhaltspflichtig. Erst wenn auch hier nichts (mehr) zu holen ist, springen die Sozialhilfeträger ein.
Menschen, die oft ein Leben lang hart gearbeitet haben, bleibt so ein wenig würdevoller Lebensabend als Sozialhilfeempfänger.
Die Finanzierung der Pflege müsse dringend reformiert werden, fordert die Verbraucherzentrale. Schwanenberg: "Die gesetzliche Pflegeversicherung braucht eine solide, generationengerechte und langfristig tragfähige Finanzierungsgrundlage."