Radeburg (Sachsen) - Eskalation im Mieterstreit! Seit dem 9. Januar ist die "Löwen"-Apotheke von Jens Rudolph (60) am Radeburger Marktplatz ohne fließendes Wasser. Grund dafür ist ein festgefahrener Streit zwischen dem Apothekenchef und dem neuen Besitzer der Immobilie, Falk Hentschel (39).
Morgens werden die Wasserkanister mit rund 100 Litern hereingetragen. Kleinere Behälter am Waschbecken und der Wasserkocher für Tee werden befüllt.
Bittere Routine, seitdem die Apotheke auf dem Trockenen sitzt: "Hygiene ist bei uns oberstes Gut. Es ist zwar sehr aufwendig, aber wir kriegen das als Team gut hin", sagt Rudolph, der die "Löwen"-Apotheke seit 23 Jahren betreibt.
Die Landesdirektion sei über den Wassermangel informiert und wisse auch über den Umgang mit der Situation Bescheid. Die Apotheke darf weiterhin geöffnet bleiben.
Der Streit ums Wasser reicht zurück bis zu den früheren Vermietern von Rudolph, die vor rund zwei Jahren die Mietkosten um satte 54 Prozent erhöhten (von 3000 auf 4512 Euro). Rudolph zahlte weiterhin nur die bisherige Miete und legte Widerspruch ein:
"Ich habe 2003 das gesamte alte Haus für rund 100.000 Euro saniert und 2015 noch mal 17.000 Euro hineingesteckt, dabei keinen Cent von den Eigentümern gesehen."
Neu-Besitzer Falk Hentschel ist Bürgermeister der Gemeinde Ebersbach
Den neuen Besitzer des Hauses kümmert das wenig. Falk Hentschel übernahm mit dem Kauf der Immobilie im Jahr 2025 auch die Apotheke als Mieter, damit die angestauten Mietschulden.
Diese belaufen sich inzwischen auf über 30.000 Euro: "Ich habe zweifach persönlich das Gespräch gesucht, auch nach einem Gerichtstermin kein Wort aus dem Apotheker herausbekommen", berichtet Hentschel enttäuscht.
Als Bürgermeister der Gemeinde Ebersbach im Meißner Landkreis stehe er selbst "täglich für Recht und Ordnung ein", müsse aber an dieser Stelle um sein eigenes Recht als Eigentümer und Vermieter kämpfen.
Nach "langer Bedenkzeit" und einer Ankündigung am 30. Dezember drehte Hentschel der Apotheke zum 9. Januar endgültig das Wasser ab: "Herr Rudolph brachte den Streit in die Öffentlichkeit und zeitgleich ging er in keiner Weise auf Vorschläge ein, die Sache zu regeln", begründet Hentschel den harten Schritt.
Rudolph hat ebenfalls genug, zieht mit seiner "Löwen"-Apotheke und den zwölf Angestellten voraussichtlich Ende Juni in einen ehemaligen Getränkemarkt schräg gegenüber am Marktplatz. Ein Streit, der wohl nur vor Gericht entschieden werden kann …