Sachsen will Industrie-Geschichte schreiben und zukünftig verändern, wie wir bauen

Leipzig/Dresden - Weniger Zement und CO2 (Kohlenstoffdioxid): Carbonbeton gilt als ein Baustoff der Zukunft, geht maßgeblich auch auf TU-Forschung zurück. Im weltweit ersten Carbonbeton-Haus in Dresden fiel am Montag der Startschuss für den Bau der ersten Fabrik für eine künftige Massenproduktion.

Vision der Carbonbeton-Fabrik ("C-Factory"), die bis 2029 in Leipzig gebaut werden soll.
Vision der Carbonbeton-Fabrik ("C-Factory"), die bis 2029 in Leipzig gebaut werden soll.  © PR

Der Vorteil des modernen Baustoffs gegenüber Stahlbeton wie etwa in der eingestürzten Carolabrücke: Mit Carbonbeton könne man künftig bis zu zehnmal dünner bauen und verbrauche dabei auch noch bis zu 70 Prozent weniger CO2, erklärt Dresdens Brücken-Experte Steffen Marx (56), der auch das TU-Institut für Massivbau leitet.

Bereits sein Vorgänger Manfred Curbach (69) hatte hier maßgebliche Entwicklungsarbeit an dem alternativen Baustoff der Zukunft geleistet.

Der Vorteil: Anders als Stahl kann die Carbon-Bewehrung im Beton nicht rosten, da Carbon aus Öl (künftig auch aus Algen) gefertigt wird. Darum muss der schützende Betonmantel auch nicht mehr so dick sein. Das spart CO2 ein, das bei der Betonherstellung durchs Verbrennen von Kalkstein entsteht.

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Bislang gilt Beton noch als Klimakiller. Außerdem soll das umweltschädliche Kohlenstoffdioxid auch direkt wieder dem Carbonbeton zugeführt, also im Baustoff gespeichert werden, was auch gut für die Umwelt ist.

Die Fabrik soll fast vollautomatisiert mit Robotern laufen können.
Die Fabrik soll fast vollautomatisiert mit Robotern laufen können.  © Hermann Tydecks
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Carbonbeton ist deutlich teurer als Stahlbeton

Dünne Wände aus dem umweltschonenden Baustoff der Zukunft: Im weltweit ersten Carbonbeton-Haus in Dresden gaben Matthias Tietze (47, K&T, v.l.), TU-Massivbau-Institutsleiter Steffen Marx (56) und TU-Professor Manfred Curbach (69) den Startschuss für das Fabrik-Projekt in Leipzig.
Dünne Wände aus dem umweltschonenden Baustoff der Zukunft: Im weltweit ersten Carbonbeton-Haus in Dresden gaben Matthias Tietze (47, K&T, v.l.), TU-Massivbau-Institutsleiter Steffen Marx (56) und TU-Professor Manfred Curbach (69) den Startschuss für das Fabrik-Projekt in Leipzig.  © Hermann Tydecks

Das Problem: Noch sei Carbonbeton in der Produktion für Pilotprojekte etwa 40 Prozent teurer als Stahlbeton, so der frühere Curbach-Schüler Matthias Tietze (47, K&T). "Wir wollen das ändern, indem wir in die Massenproduktion gehen und vollautomatisiert produzieren." Insbesondere Fertigteile für Wände, Büros, Wohnungen.

Zusammen auch mit TU Dresden, HTWK Leipzig und dem Betonwerk Oschatz will Tietze in Leipzig bis 2029 die weltweit erste Carbonbeton-Fabrik errichten.

Die sächsische Vision ist eine Revolution des Bausektors. Ende des Jahres soll der Bau losgehen. Von den 21,5 Millionen Euro Kosten fördert der Bund 14,7 Millionen Euro. Wirtschaftsminister Dirk Panter (52, SPD) sprach von einem "Meilenstein und wunderbaren Zukunftsprojekt".

Titelfoto: Bildmontage: PR ; Hermann Tydecks

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