Coswig - Großes Bangen in Coswig bei Dresden: Das traditionsreiche Bremsbelag-Werk von Automobilzulieferer "TMD Friction" steht vor dem Aus. Mit einer Demo tat die Belegschaft am Wochenende ihren Unmut kund.
Nach Angaben der Chemie-Gewerkschaft "IGBCE" hat der Münchner Finanz-Investor "Aequita" entschieden, die Produktion vollständig nach China zu verlagern. Für die Beschäftigten in Coswig bedeute das den Verlust von rund 100 der 120 Arbeitsplätze zum Jahresende.
"Es ist nicht hinnehmbar, dass ein profitabler Standort geschlossen und industrielle Wertschöpfung aus Deutschland abgezogen wird, obwohl die Menschen hier über Jahrzehnte hervorragende Arbeit geleistet haben", beklagte die "IGBCE"-Landesbezirksleiterin in ihrer Rede.
China subventioniere in großem Stil industrielle Wertschöpfung, die USA würden ihre Interessen mit harter Industrie- und Zollpolitik absichern. "Und Europa schaut an vielen Stellen noch immer zu, statt entschlossen dafür zu sorgen, dass Investitionen, Produktion und gute Arbeitsplätze hier bleiben. Genau das rächt sich jetzt – auch in Coswig."
Zukunftsperspektiven für den Standort
Die Gewerkschaft fordert den Eigentümer auf, seine Entscheidung zu überdenken und ernsthafte Gespräche über Zukunftsperspektiven für den Standort aufzunehmen.
Seit 116 Jahren existiert das Werk in der sächsischen Kreisstadt. Ab 1955 fand die Herstellung von Brems- und Kupplungsbelägen unter dem Firmennamen "Cosid" statt. Seit 2001 gehört das Unternehmen zur "TMD Friction Group GmbH" mit Sitz im nordrhein-westfälischen Leverkusen.