Schüler mit Rechenschwäche sollen Ausgleich bekommen

Von Jörg Schurig

Dresden - Schüler mit einer Rechenschwäche (Dyskalkulie) sollen in Sachsen einen Nachteilsausgleich bekommen. Darauf verständigte sich der Landtag am Mittwochabend in einem Gruppenantrag fast aller Fraktionen.

CDU und SPD bilden im Freistaat eine Minderheitsregierung und sind bei ihren Vorhaben auf Stimmen von BSW, Grünen und Linken angewiesen. (Symbolfoto)
CDU und SPD bilden im Freistaat eine Minderheitsregierung und sind bei ihren Vorhaben auf Stimmen von BSW, Grünen und Linken angewiesen. (Symbolfoto)  © Friso Gentsch/dpa

"Jeder Schüler zählt. Ich freue mich über den gemeinsamen Antritt, Schülerinnen und Schüler mit einer besonderen Rechenschwäche gezielt zu unterstützen. Wir werden jetzt zügig die Voraussetzungen dafür schaffen", sagte Kultusminister Conrad Clemens (43, CDU) der Deutschen Presse-Agentur.

Konkret wird Dyskalkulie künftig als Teilleistungsschwäche anerkannt werden. Zunächst geht es um die erste bis dritte Klasse.

Der Nachteilsausgleich bedeutet, dass betroffene Mädchen und Jungen mehr Arbeitszeit für schriftliche Leistungen, differenzierte Aufgabenstellungen und Platz für Nebenrechnungen bekommen oder von besonderen didaktisch-methodischen Hilfsmitteln profitieren.

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Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) schrieb sich den Erfolg auch auf die eigenen Fahnen. Mit dem Landtagsbeschluss werde ein zentrales Anliegen seiner Fraktion Realität, betonte der Abgeordnete Lars Wurzler.

Damit gebe es nach jahrzehntelanger Unsicherheit ab kommendem Schuljahr endlich verbindliche und rechtssichere Hilfe für Betroffene. Die Anerkennung von Rechenschwäche dürfe kein symbolischer Akt bleiben. "Besonderes Augenmerk muss zudem auch auf höhere Klassenstufen gelegt werden."

Luise Neuhaus-Wartenberg machte deutlich, dass Dyskalkulie nicht mit Faulheit in Verbindung gebracht werden darf

Der Antrag ist das Ergebnis des sogenannten Konsultationsmechanismus, an dem sich im Landtag alle Fraktionen außer der AfD beteiligen. (Symbolfoto)
Der Antrag ist das Ergebnis des sogenannten Konsultationsmechanismus, an dem sich im Landtag alle Fraktionen außer der AfD beteiligen. (Symbolfoto)  © Daniel Reinhardt/dpa/dpa-tmn

Linke-Politikerin Luise Neuhaus-Wartenberg (45) regte an, auch die Lehrkräfte im Umgang mit Dyskalkulie zu schulen. "Selbstverständlich sollten auch Präventionsmaßnahmen ergriffen werden. Das wirksamste Mittel gegen Rechenschwäche besteht darin, früh einzugreifen. Eine gute Förderung in der Kita sowie den Klassen eins und zwei beugt der Teilleistungsschwäche am besten vor."

Auf jeden Fall müsse man wegkommen von der Unterstellung, betroffene Kinder seien faul und dürften nicht bevorteilt werden.

"Wir haben den ursprünglichen Antrag durch ein intensives Konsultationsverfahren fachlich geschärft und auf ein solides Fundament gestellt. Statt mit dem Begriff Dyskalkulie besondere Rechenschwierigkeiten pauschal als Behinderung abzustempeln, rücken wir die gezielte Überwindung dieser in den Fokus", erklärte CDU-Bildungsexperte Holger Gasse (56).

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"Unsere Initiative setzt bei der frühkindlichen Bildung an, denn Rechenschwierigkeiten zeigen sich oft schon früh. So erleichtern wir den Übergang von der Kita in die Grundschule und legen die Grundlagen für einen erfolgreichen Bildungsweg aller betroffenen Kinder", betonte Grünen-Politikerin Christin Melcher (43).

Titelfoto: Friso Gentsch/dpa

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