So stark spürt Sachsen die Folgen des Iran-Kriegs schon jetzt
Dresden - Spritpreise, Urlaubsflüge, Sicherheit: Der Iran-Krieg ist Sache der großen Politik. Doch die Auswirkungen sind auch in den Bundesländern zu spüren. Was bedeutet der Konflikt für Sachsen?
Christoph Braun (47) vom Prothesenwerk Schubert & Braun in Dresden will Ende des Monats nach Riad (Saudi-Arabien). Viele seiner Endkunden sitzen in der Region. Noch ist der Flughafen offen. "Bisher war klar: Wo die Lufthansa hinfliegt, ist alles okay. Aber das gilt wohl nicht mehr", sagt Braun auf Anfrage. Ob er fliegen kann, weiß er noch nicht.
Das kann Thomas Koschig (62) vom Reisebüro B&T Flugreisen in Leipzig auch nicht sagen: "Die nächsten Flüge in die Krisenregion, die Kunden bei uns gebucht haben, gehen am Wochenende."
Bislang gibt es keine Einschränkungen für Passagierflüge ab Leipzig und Dresden, stellte Flughafensprecher Uwe Schuhart (50) klar. Allerdings werden von Leipzig in der Krisenregion auch nur zwei Ziele in Ägypten angeflogen, keine in Zypern, Israel oder den Arabischen Emiraten.
Die Luftraumsperrungen in Nahost beeinträchtigen aber nicht nur den Passagier-, sondern auch den Frachtflugverkehr. "Alle unsere Sicherheitsmaßnahmen bleiben so lange wie nötig in Kraft", erklärte Mattias Persson vom DHL-Hub Leipzig. Angaben zu Verspätungen oder Streichungen machte er nicht.
Marktpreise für Gas steigen
Sicher ist, dass die Spritpreise bereits geklettert sind und weiter steigen. "Wie hoch, ist davon abhängig, wie lange der Konflikt dauert", sagt Hans-Joachim Rühlemann (75) vom Tankstellenverband (VGT Nord-Ost), zu dem auch Sachsen gehört. Experten gehen davon aus, dass die 2-Euro-Marke schon bald erreicht sein könnte - in Dresden war es am Montag stellenweise bereits so weit.
Gestiegen sind ebenfalls die Marktpreise für Gas, seit Freitag um satte 30 Prozent! SachsenEnergie in Dresden hat alles Gas für 2026 langfristig eingekauft und schon bezahlt.
"Die Auswirkungen der geopolitischen Situation sind für unsere Kunden aktuell gering", so SachsenEnergie-Manager Olaf Adermann.
Wie hart die Krise die sächsische Wirtschaft trifft, ist noch offen.
Jetzt kostenlos für den News-des-Tages-Newsletter anmelden!
Nicht nur Wirtschaft steht auf unsicherem Boden
Für die Deutsche Industrie- und Handelskammer ist klar, dass die Nahost-Entwicklung wirtschaftliche Unsicherheiten erhöht. Heute wollen sich die Kammern deutschlandweit zur Krise austauschen, bestätigt Lukas Rohleder (43) von der IHK Dresden.
Israel und Iran nehmen aktuell die Plätze 41 und 63 (Export) sowie 42 und 118 (Import) der wichtigsten sächsischen Handelspartner ein, teilte das Wirtschaftsministerium mit.
Nicht nur die Wirtschaft steht auf unsicherem Boden. Viele Sachsen sorgen sich um die offenbar immer brüchiger werdende allgemeine Sicherheit. "Für den Freistaat liegen derzeit keine Erkenntnisse zu konkreten Gefährdungen vor", erklärte die Inspekteurin der sächsischen Polizei, Sonja Penzel (55), auf TAG24-Anfrage.
Gleichwohl bleibe die abstrakte Gefährdung insbesondere israelischer, jüdischer oder amerikanischer Einrichtungen weiterhin hoch. Schutzmaßnahmen auf höchstem Niveau wie beispielsweise die verstärkte Bestreifung laufen bereits seit dem 7. Oktober 2023, so Penzel.
Titelfoto: Bildmontage: Eric Münch, picture alliance/dpa/ISNA/XinHua, Privat

