Sporträume, Schulungszimmer, aber auch Bobbycars: Hausbesuch in Sachsens neuem Abschiebeknast
Dresden - Das europäische Asyl- und Migrationsrecht soll durch das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS) reformiert werden. Ein zentrales Element sind sogenannte Sekundärmigrationszentren (SMZ). Sachsen hatte es mit der Umsetzung der Richtlinie besonders eilig.
Auf einem Container steht in Deutsch und Englisch "Sport/sports", "Gebet/prayer" und "Spiel/pla". Das "y" für das englische Wort "play" für "Spiel" fehlt. Innen sind die Räume nach Funktionen geordnet.
Es gibt eine Information, die 24 Stunden täglich besetzt ist, einen Sportraum mit Möglichkeit zum Boxen, einen Wäscheraum, einen Raum für Sprachkurse. Im Unterrichtsraum hängen Dutzende von Kinderbildern.
Das Spielzimmer ist voll mit Bobbycars und Plüschtieren. Ansonsten sind die Räumlichkeiten mindestens funktional, um nicht zu sagen, kahl.
In den Schlafräumen stehen nur Betten (vier für Familien, zwei bei Doppelbelegung wie etwa für Paare), ein Tisch mit zwei oder vier Stühlen und Spinde.
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Bisher sind noch keine Bewohner da
Sachsen sei das erste Bundesland, das ein solches SMZ in Deutschland betreibt, sagt Innenminister Armin Schuster (65, CDU), noch bevor der Presserundgang startet. Kunststück.
Früher war auf dem 1200 Quadratmeter großen Gelände das Landesausreisezentrum für alleinstehende Männer. 47 von ihnen sind aktuell noch in der Einrichtung. Für das SMZ wurden die Containerkapazitäten einfach erweitert. Statt maximal 100 Personen können jetzt bis zu 400 gleichzeitig aufgenommen werden. Auch Frauen und ganze Familien.
Ziel ist eine bessere Kontrolle. Für alle Bewohner gilt Anwesenheitspflicht. Wer rauswill, braucht einen Grund, einen Arztbesuch etwa. Die Abwesenheit wird dokumentiert. Bewohner sollen hauptsächlich Migranten sein, die bereits in einem anderen EU-Staat registriert sind. Dorthin sollen sie von Dresden aus zurücküberstellt werden.
Das Zentrum sei ein Signal an alle Migranten, sagt Schuster. "Es macht keinen Sinn, weiterzuwandern." Ob das System funktioniert und wirklich verhindert, dass Geflüchtete von EU-Staat zu EU-Staat ziehen, in mehreren Ländern Asylanträge stellen oder Anspruch auf Leistungen anmelden, ist völlig offen.
Noch sind keine Bewohner da. Die ersten werden für Ende August erwartet.
Titelfoto: Bildmontage: Ove Landgraf, dpa

