Dresden - Sachsens Landwirtschaft erlebt derzeit eine schwere Krise. Viele Existenzen stehen auf dem Spiel. Nach harten Jahren werden die Betriebe gegenwärtig mit der Explosion der Kosten für Kraftstoffe, Dünger sowie die Anhebung des Mindestlohnes seit Jahresbeginn konfrontiert. Gleichzeitig müssen sie hinnehmen, dass die meisten ihrer landwirtschaftlichen Produkte zu Tiefstpreisen im Einzelhandel verschachert werden. Hier berichtet ein Bio-Bauer.
Patrick Rückert (33) leitet die Großdrebnitzer Agrarbetriebsgesellschaft. Der Landwirt nimmt kein Blatt vor den Mund. "Uns rettet es als Betrieb gerade den Arsch, dass die Preise für Bio-Milch konstant sind. Nur diese Tatsache und der Fleischverkauf sichern uns momentan das Überleben."
Rückert beschäftigt in seinem Bio-Betrieb in der Oberlausitz 88 Mitarbeiter. Die Männer und Frauen bewirtschaften 3000 Hektar Land und versorgen 2300 Rinder - davon sind 1200 Tiere zu melkende Kühe.
Rückert erzählt, dass der Ackerbau für ihn seit zwei Jahren ein reines Minusgeschäft ist. "Weizen, Dinkel oder Roggen - gefühlt werden unsere hochwertigen Ernten vom Lebensmitteleinzelhandel nur noch verramscht", klagt er.
Aktuell sucht sein Betrieb händeringend noch einen Abnehmer für 500 Tonnen Bio-Hafer (beste Lebensmittelqualität). Die Hoffnung auf einen fairen Deal schwindet langsam. "Die Preise sind momentan so schlecht, dass etwa deutsche Kollegen ihr Getreide oder Kartoffeln in Biogasanlagen fahren. Polnische Kollegen verfeuern sogar ihr Getreide, dass für die menschliche Ernährung produziert wurde, um überhaupt noch etwas zu verdienen", erzählt Rückert.
Den Bauern steht das Wasser bis zum Hals
Der Einbruch der Preise am Getreidemarkt beschäftigt ihn Tag und Nacht. Rückert: "Man weiß gar nicht mehr, was man anbauen soll. Die Erlöse reichen hinten und vorne nicht."
Patrick Rückert erzählt, dass er vor sechs Jahren eine Tonne Weizen (höchste Qualitätsstufe) für 400 Euro verkauft hat. Heute fällt der Erlös für die gleiche Menge teilweise 20 Euro geringer aus - ungeachtet gestiegener Produktionskosten.
"Eigentlich ist es reiner Selbstmord, Ackerbau zu betreiben. Wir machen es nur noch, weil wir das Stroh für die Tiere brauchen", sagt der Geschäftsführer.
Patrick Rückert engagiert sich ehrenamtlich für seinen Berufsstand. Er ist vernetzt, kennt auch die Nöte seiner Kollegen, die konventionell wirtschaften. "Den meisten steht das Wasser über der Oberlippe. Und viele können nicht schwimmen", sagt er ernst. Die Öl- und Düngemittel-Krise, die der Iran-Krieg ausgelöst hat, wirkt wie ein doppeltes Brennglas in der Landwirtschaft, die seit Jahren zu kämpfen hat.
Viele Bauern stecken bereits in einer psychischen Krise
Das Frühjahr ist für die landwirtschaftlichen Betriebe von entscheidender Bedeutung. Ein Drittel ihres Jahresverbrauches an Diesel fällt in diese Zeit sowie fast der gesamte Düngemittelbedarf.
Die Investitionen, die jetzt in die zukünftige Ernte getätigt werden, müssen sich rechnen. Tun sie das nicht, kreist der Pleitegeier bald über den Höfen und Betrieben.
Patrick Rückert ist kein Pessimist. Aber er geht vom Schlimmsten aus. "Viele Betriebe werden diesen mörderischen Wettbewerb nicht überleben." Er macht sich Sorgen, um die Menschen, die dann ihr Lebenswerk aufgeben müssen.
"Es ist ein Tabuthema. Aber schon jetzt leiden viele Menschen in unserer Branche unter Depressionen, Burnout, der Abhängigkeit von Suchtmitteln und es gibt Suizide."