Starke Eigeninitiative auf dem Dorf: Wie sich Jugendliche ihren eigenen Club bauen

Klipphausen (Sachsen) - Von der Idee zum eigenen Jugendclub: In einem Ortsteil von Klipphausen (Landkreis Meißen) möbeln Jugendliche gemeinsam mit ihren Eltern eine alte Kita-Turnhalle auf – und stampfen sich so ihren eigenen Treffpunkt aus dem Boden.

Sie zimmern sich 'nen eigenen Club zusammen. Die Jugendlichen aus Miltitz und Umgebung legen dabei selbst Hand an.  © Stefan Häßler

Den Einfall hatte Leonas (15): "Ich war im Sommer bei meiner Oma in Thüringen. Meine Cousine hat mich dort zum Jugendclub mitgenommen." Danach war für ihn klar: "Das will ich auch für unseren Ort."

Sein Freund Moritz (16) war direkt Feuer und Flamme. Für die beiden hatte das Dorfleben nämlich bisher nicht mehr als Treffen an der Bushaltestelle oder im Schwimmbad in petto. Der nächste Jugendclub liegt mehr als fünf Kilometer entfernt.

Mit der Hilfe der Eltern ging es "im April 2025 zum Ortschaftsrat", erinnert sich Papa und "Bauleiter des Vertrauens" Christian Albert (51). Anschließend machten die Jugendlichen ihre Wünsche auf Plakaten sichtbar und überzeugten damit auch den Bürgermeister.

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Die Lösung: eine ehemalige Kita-Turnhalle am Dorfberg in Miltitz. "Das sind etwa 42 Quadratmeter. Aber es gibt weder Wasser- noch Abwasseranschlüsse", so Papa Christian.

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Passt und hält! Teenie Leonard (16) ist nun Experte im Umgang mit der Bohrmaschine.  © Stefan Häßler
Das elterliche Bauleiter-Team um Marcel (44) und Christina Scheffler (41) sowie Tina (51) und Christian Albert (51, v.l.) kümmert sich um die wichtigsten Maßnahmen.  © Stefan Häßler
Auf dem Dorf Pflichtprogramm: Moritz (16) düst am liebsten mit seiner Simson zum Jugendtreff.  © Stefan Häßler
Die Freundinnen Amelie (14), Selma (15) und Ella (14, v.l.) verbringen jetzt schon viel Zeit im Jugendclub und haben dabei gelernt, eine Stichsäge zu bedienen.  © Stefan Häßler

Obwohl Haus noch im tiefsten Rohbau steckt, nutzen Teenager es jetzt als Treffpunkt

Noch nennt sich der Treff "Jugendclub Triebischtal". Langfristig wollen sich die Teenager was Originelleres einfallen lassen.  © Stefan Häßler

Mit der Schlüsselübergabe begann auch die große Baumaßnahme. "Da hab' ich sogar mit meinen Krücken die Decke eingerissen", erinnert sich Frieda (13) lachend. Denn die Gemeinde stellt zwar einen vierstelligen Betrag zur Verfügung, verlangt aber, "dass die Jugendlichen mit anpacken", erklärt Christian Albert. "Wir haben Dachdecker, Tischler, Maurer und Elektriker dabei", zählt Mama Christina Scheffler (41) auf.

Kernarbeitszeit ist samstags. "Wir haben bereits die Decke gedämmt, alte Elektronik raus, Sanitärbereich ausgebaut, Fußboden gemacht, gemalert. Hier haben Mädchen und Jungs angepackt", betont der "Bauleiter" Christian.

Für die berufstätigen Eltern nicht immer leicht. "Aber unsere Kinder sind jung und brauchen jemanden. Früher haben sie nur am Handy gehockt, jetzt sind sie richtig motiviert."

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Obwohl das Haus noch im tiefsten Rohbau steckt, nutzen die Teenager es jetzt schon als Treffpunkt: "Man kommt mehr zusammen und lernt sich besser kennen. Man hat einen Ort, an dem man sein Herz ausschütten kann", berichtet Frieda.

Ende des Jahres soll der Club mit Sitzgelegenheiten, Tresen und Dartscheibe stehen. Dann "soll es ein geschützter Raum für die Jugendlichen sein, wo es auch mal Disco oder Sommerfest gibt." Was für eine starke Eigeninitiative!

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