Statt Forellen will er Karpfen züchten: Extreme Hitze ruiniert sächsischen Fischzüchter
Döbeln - Die historische Hitzeglocke von Ende Juni führte Matthias Schnek (53) an den wirtschaftlichen Abgrund: Der Fischzüchter aus Döbeln holte neun Tonnen tote Forellen aus seinen Teichen. Er ist nicht der Einzige, der in Zukunft die Produktion umstellen will.
Die Wasserpumpen liefen auf Hochtouren, die Fische waren mit ausreichend Sauerstoff versorgt. Das entscheidende Problem für den Forellenzuchtbetrieb blieb die Wassertemperatur: Die Zschopau hatte bereits 27 Grad erreicht, Forellen fühlen sich am wohlsten bei 10 bis 16 Grad.
Ist der Fluss mal aufgeheizt, gibt es keine Kühlung: "Von der Talsperre Kriebstein kommt dann auch nur noch warmes Wasser runter."
Am 27. Juni, einem heißen Samstagabend, hat Schnek die Katastrophe kommen sehen: "Die Fische werden die Nacht nicht überleben", teilte er seiner Ehefrau mit.
Sonntagmorgen sah er die toten Forellen auf der Wasseroberfläche treiben. Das Wasser hatte eine Temperatur von 28,3 Grad erreicht: "In über 50 Jahren hatten wir diese Temperaturen nicht!"
Freunde und Bekannte halfen über Tage hinweg, den wirtschaftlichen Totalschaden aus dem Wasser zu fischen: "Das Geschäft wäre damit bis September nächsten Jahres ausgekommen. Wir sprechen von über 100.000 Euro Verlust."
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Nach kostspieligem Forellen-Verlust: Schnek will Produktion umstellen
Vom Umwelt-Landesamt erhielt Schnek keine Ausgleichszahlung, also half er sich selbst, initiierte eine Spendenkampagne. Über 30.000 Euro sind so bereits zusammengekommen: "Man hat wirklich Tränen in den Augen. Die Leute kommen sogar her und reden uns gut zu!"
Im kommenden Jahr will er die Produktion radikal umstellen, "mit sehr wenig Forellen in den Sommer reinfahren". Karpfen, Stör, Hecht und Wels würden sich auch bei bis zu 30 Grad wohlfühlen.
Kritisch sei der Zustand auch in der Forellen- und Lachszucht von Gunther Ermisch (60) in Neustadt/Sachsen. Sein Vorteil: "Wir haben hier Quellwasser und zwei Kiesgruben mit fast 20 Metern Tiefe, die den Fluss kühlen."
Die Fischbestände sind gesichert, Kunden können weiter beliefert werden. Doch auch er spielt mit dem Gedanken, die Produktion umzustellen: "Wir fahren erst mal so weiter, aber es wird in Zukunft noch weniger Wasser und noch höhere Temperaturen geben ..."
Titelfoto: Bildmontage: Norbert Neumann
