Statt Rente: 76-Jährige huscht als Gespenst durch Schloss Albrechtsburg

Meißen - Im Schloss Albrechtsburg in Meißen geistert ein besonders kluge(r) Kopf herum: Gabriele Kluge (76) spukt dort als Gespenst Albin durch die Kellergewölbe. Wer ihr begegnet, merkt schnell: Sie ist nicht nur Statistin in einem Kostüm, sondern eine leidenschaftliche Erzählerin mit Herzblut.

Vor diesem lustigen Gespenst, das die Albrechtsburg unsicher macht, hat wohl niemand wirklich Angst.
Vor diesem lustigen Gespenst, das die Albrechtsburg unsicher macht, hat wohl niemand wirklich Angst.  © Steffen Füssel

Für jede ihrer Rollen legt Kluge eine Schippe Selbstbewusstsein an den Tag – eine Stärke, die sie über viele Jahre im Umgang mit Menschen entwickelt hat. Denn: Kluge war jahrzehntelang Meißens Hebamme des Vertrauens.

"Ich kenn' hier jeden", witzelt die 76-Jährige. Vermissen tut sie ihren Beruf zwar nicht, doch auf die faule Haut legen kam für sie nach der Rente nicht infrage: "Ich kann mir das Leben ohne das alles nicht vorstellen."

So machte sie nach dem Renteneintritt einfach weiter, nur eben mit einer anderen Rolle. Schon seit acht Jahren streift sie als Gespenst Albin durch die Säle und Kellergewölbe der Albrechtsburg.

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Parallel dazu bietet sie seit 15 Jahren Stadtführungen durch Meißen an. Dabei macht sie in den Sommermonaten als Bademagd die ehemaligen Bade- und Freudenhäuser in der Altstadt unsicher.

"Ich hab auch schon im Kloster 'Heilig Kreuz' bei Aufführungen eine Nonne gespielt", erinnert sich die Hebamme.

Gabriela Kluge (76) freut sich über ihren ungewöhnlichen Job.
Gabriela Kluge (76) freut sich über ihren ungewöhnlichen Job.  © Steffen Füssel
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Ein paar Handgriffe, und aus Gabriela wird Albin.
Ein paar Handgriffe, und aus Gabriela wird Albin.  © Steffen Füssel

Funzelführung im Schloss Albrechtsburg: "Es ist eine Ehre"

Im Gespenster-Kostüm führt die 76-Jährige durch das geschichtsträchtige Schloss Albrechtsburg.
Im Gespenster-Kostüm führt die 76-Jährige durch das geschichtsträchtige Schloss Albrechtsburg.  © Steffen Füssel

Warum Gabriele Kluge so für andere Figuren brennt? "Jedes Mal, wenn ich in eine Rolle schlüpfe, erlange ich unheimlich viel Selbstbewusstsein."

Die Freude, in andere Charaktere hineinzuschlüpfen, hat die Hebamme schon vor mehr als 30 Jahren für sich entdeckt: "Da hab ich einen Clown-Kurs gemacht."

Als Gespenst Albin richtet sich das Angebot vor allem an Kinder. Gemeinsam suchen sie im Schloss nach einem verlorenen Kuscheltier und erfahren nebenbei etwas über Heinrich I.: "Wir tanzen mit den Kindern später auch mittelalterliche Tänze in den Sälen." Gerade diese Mischung macht für Kluge den Reiz aus.

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Das Gespenster-Kostüm hat es in sich: Mit riesigem Kopf, der an einer Klettverschluss-Kappe befestigt ist, langem Gewand und Schnabelschuhen muss sich Kluge im stockdusteren Schloss den Weg zu den "Funzelführungen" bahnen. Und das alles mit 76 Jahren: "Es ist eine Ehre, dass ich das in meinem Alter noch machen darf."

Besonders in den Herbst-, Weihnachts- und Winterferien schlüpft Kluge fast täglich gegen 19.30 Uhr in die Rolle. "Es ist ein fantastisches Gefühl. Manchmal sind wir nur vier Frauen und tragen allein die Verantwortung für das ganze Schloss. Das ist immer wieder beeindruckend."

Infos: albrechtsburg-meissen.de.

Titelfoto: Bildmontage: Steffen Füssel

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