Tiger- und Buschmücken in Sachsen auf dem Vormarsch? Das sagen Experten
Von Sebastian Münster
Dresden - Neue Mückenarten wie die als Überträger tropischer Krankheiten bekannte Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) und die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus) werden sich auch in Sachsen weiter behaupten.
"Die Modellierungen auch für die Tigermücke sind so, dass sie sich hier fest etablieren wird", sagte der Insektenkundler Matthias Nuß der Deutschen Presse-Agentur.
Es sei nur eine Frage der Zeit, bis es weitere Fundpunkte innerhalb Dresdens, aber auch in anderen Ortschaften geben werde, ist sich der Leiter der Abteilung Museum für Tierkunde in den Naturhistorischen Sammlungen Dresden sicher. Zunehmend mildere Temperaturen im Winter begünstigten dies zusätzlich.
Insektenforscher Nuß und sein Team haben 2025 ein umfassendes Monitoring des Mückenvorkommens im Großraum Dresden durchgeführt und dabei 25 der in Deutschland bekannten 53 Mückenarten nachgewiesen.
Demnach ist besonders die Asiatische Buschmücke bereits jetzt weit verbreitet, wie das Team anhand von eingesendeten Proben nachweisen konnte. Die Daten, die auf dem Mitmach-Portal "Insekten-Sachsen" online einsehbar sind, zeigen für die Buschmücke neben dem Großraum Dresden etwa Nachweise bis nach Meißen, aber auch in Döbeln, Chemnitz, dem Erzgebirge und dem Vogtland.
Die Buschmücke sehe der Tigermücke zum Verwechseln ähnlich, sei aber weniger gefährlich. Grundsätzlich sei zwar auch die Buschmücke in der Lage, tropische Krankheiten wie das Dengue-Fieber zu übertragen. "Aber die Krankheitsübertragung erfolgt bei ihr nicht mit der Zuverlässigkeit wie bei der Tigermücke", so Nuß.
Die beiden eingeschleppten Mückenarten sind deutlich kleiner als die in Deutschland verbreitete Gemeine Hausmücke (Culex pipiens). Erkennbar sind sie vor allem durch ihr auffälliges schwarz-weißes Muster.
An diesen Orten finden Mücken die besten Bedingungen vor
Bislang fänden sich die neuen Mückenarten vor allem in dichten Siedlungsräumen, wo sie ideale Bedingungen vorfinden. Funde "draußen in der Natur" gebe es bislang nicht.
Mit einer Informationsinitiative wollen das sächsische Gesundheitsministerium und die Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen (LUA) die Bevölkerung für die neue Mückenart und die damit verbundenen Gefahren sensibilisieren.
Denn: "Nur wenn auch auf privaten Grundstücken mögliche Brutstätten für die Asiatische Tigermücke entfernt werden, kann diese erfolgreich eingedämmt werden", so eine Sprecherin.
Die Tigermücke nutze bereits kleinste Wasseransammlungen als Brutstätte - etwa Blumentopfuntersetzer, Kinderspielzeug und Regentonnen.
Anders als in Südeuropa ist in Deutschland bisher noch keine lokale Übertragung von Krankheitserregern wie Dengue- oder Chikungunya-Virus durch die Tigermücke bekanntgeworden, heißt es aus dem Ministerium.
Experten halten das aber nur für eine Frage der Zeit. Die Tigermücke kann Erreger nur übertragen, wenn sie sich selbst vorher an einem erkrankten Blutwirt infiziert.
Titelfoto: Bildmontage: Ennio Leanza/KEYSTONE/dpa, 123RF/krrad

