Von der Katze bis zum Pferd: Anika Reiher rückt tierische Lieblinge gekonnt ins Bild

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Plauen - Tierische Models sind ihre Welt. Sie heißen Gerda, Couky, Max und Moritz, sind immer nackt und meist stark behaart. So macht Anika Reiher (34) ein Bild von ihnen - mit Pinseln und Farben und so realitätsnah wie ein Foto! Die Vogtländerin ist Tiermalerin und hatte schon Hunde, Katzen, Meerschweinchen und ein Pferd vor ihrer Staffelei. Sie erzählt, wie aus schnöden Farben tränenschwangere Erinnerungen für die Ewigkeit werden.

Sie malt unter den Augen einer Katze auf Öl: Anika Reiher (34) steht mit ihrer Palette an der Staffelei mit einem neuen Katzen-Aquarell.
Sie malt unter den Augen einer Katze auf Öl: Anika Reiher (34) steht mit ihrer Palette an der Staffelei mit einem neuen Katzen-Aquarell.  © Sven Gleisberg

Schau mir in die Augen, Kleines! Was im Film ein Dialog ist, das ist das Credo der Tiermalerin bei jeder Session. Sie schaut ihren tierischen Models zuerst ganz tief in die Augen.

"Die Augen eines Tieres bringe ich immer zuerst zu Papier", erzählt Anika. "Zur Wiedererkennung schaut jeder Besitzer schließlich zuerst auf die Augenpartie seines kleinen Lieblings, da muss jedes Detail millimetergenau stimmen."

Stundenlang stillsitzen müssen ihre Models wie Hund, Katze oder Pferd dabei übrigens nicht. "Mir reichen Fotos der Tiere." Aber bitte keine überbelichteten, unscharfen und bitte mehrere verschiedene mitbringen! Dann kann sie die Fotos zu einem ganz neuen Bild verschmelzen lassen.

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"Die Besitzer der Vierbeiner haben oft ganz konkrete Vorstellungen. Sie geben bestimmte Lieblingsposen ihrer Vierbeiner in Auftrag oder wollen, dass das Bild den typischen Charakter oder treuen Blick des Tieres widergespiegelt", erzählt Anika.

"Manche wünschen sich auch bestimmte Kulissen oder Landschaften als Hintergründe, an denen sie mit ihren Lieblingen zum Beispiel oft Gassi gegangen sind."

Tierstudie als Training: Dieser Sperling wurde zur Pinselübung für Anika.
Tierstudie als Training: Dieser Sperling wurde zur Pinselübung für Anika.  © Sven Gleisberg
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Die Qual der Wahl: Seinen Liebling auf einem Ölbild oder einem Auaqrell verewigen lassen?

Gut durchtränkt ist halb gemalt: Anikas Set aus Aquarell-Pinseln.
Gut durchtränkt ist halb gemalt: Anikas Set aus Aquarell-Pinseln.  © Sven Gleisberg

Damit Anika ihre Pinsel schwingen kann, müssen sich die Auftraggeber nur noch entscheiden: Soll der Liebling auf einem Ölbild oder in einem Aquarell verewigt werden? Was ist der Unterschied?

"Aquarelle wirken durch die Möglichkeit von Farbverlaufseffekten meist luftig und leichter und sind materialbedingt eher kleinformatig wie zum Beispiel 30 mal 40 Zentimeter groß", erklärt Anika.

"Bei Ölmalerei werden verschiedene Schichten auf eine grundierte und auf einen Keilrahmen gespannte Leinwand aufgetragen, sodass die Bilder mehr Tiefe aufweisen und auch großformatiger sein können."

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Die Ölmalerei der alten Meister wie Rembrandt und Monet ist Anikas Lieblingstechnik. Und sie mag "erdige Farbtöne - wegen der ruhigen Wirkung im Bild".

Nach den Augen entstehen Strich für Strich der Kopf, das Fell, die feinen Schnurrhaare bei Katzen. Ihre Pinselstriche sind penibel genau, sodass die Felltextur so natürlich wie möglich wirkt. "Zwischendurch schicke ich immer wieder Skizzen zum Abgleich an die Tierbesitzer, damit es keine bösen Überraschungen gibt." Maximale Ähnlichkeit ist Trumpf.

Anika Reiher hat sich mit den Tierzeichnungen selbständig gemacht

Das gemalte Bild vom frechen Fuchs gibt es auch als gedruckte Postkarte.
Das gemalte Bild vom frechen Fuchs gibt es auch als gedruckte Postkarte.  © Sven Gleisberg

"Ich male, seitdem ich einen Stift halten kann", sagt Anika und erinnert sich noch an ihre ersten Buntstifte. Viele Zeichnungen aus Kindertagen hat sie noch heute.

"Zum Beispiel das mit meinen kleinen Meerschweinchen Max und Moritz. An ihnen habe ich fasziniert die Proportionen studiert."

Die Vogtländerin wuchs in ländlichen Netzschkau (bei Plauen) auf: "Am Ende der Straße von meinem Elternhaus war ein Bauernhof." Dort lebten genügend Vorlagen für ihre Bilder: Haus-, Nutz- und Wildtiere. "Für das Tierheim haben wir zudem oft Hunde ausgeführt." Und zu Skizzen mit Fabeltieren inspirierte sie ihr Lieblingsfilm vom letzten Einhorn.

"Nach einer Ausbildung und zehn Jahren im Beruf als Produktgestalterin habe ich mich am 1. Januar 2025 mit Tierzeichnungen todesmutig in die Selbstständigkeit als Haupterwerb gewagt", erzählt sie.

Stute Gerda war Anikas bisher größtes Tier-Model

Kontakt vorm Zeichnen: Auch Kaltblut-Stute Gerda vom Pferdehof Scholz in Oberwinn stand einst Modell für Anika.
Kontakt vorm Zeichnen: Auch Kaltblut-Stute Gerda vom Pferdehof Scholz in Oberwinn stand einst Modell für Anika.  © Sven Gleisberg

Heute steht die Staffelei in ihrer Plattenbauwohnung in einer Neubausiedlung von Auerbach (bei Plauen). Den ersten richtigen Auftrag vergisst man nie.

"In meinem Fall war es die graue norwegische Waldkatze 'Miez' - ein Auftragswerk meiner Freundin Franziska", erinnert sich Anika. Das Porträt ließ Franziska vor Rührung weinen, die kaum zwischen Original-"Miez" und ihrem lebensechten Bild unterscheiden konnte.

Das bislang größte Tier-Model war Kaltblut-Stute Gerda vom Pferdehof Scholz in Oberwinn. Anika sollte Ross und Reiterin malen. "Der Auftrag kam kurz vor Weihnachten herein, sollte ein Geschenk für die Tochter des Reiterhofs sein und konnte am 22. Dezember ausgeliefert werden", erzählt die Zeichnerin.

Der Auftraggeber war von der Qual der Wahl befreit. "Es kam nur ein Aquarellgemälde infrage, weil Ölfarbschichten Monate gebraucht hätten, um zu trocknen."

(Aus-)Gezeichnete Weihnachtsüberraschung: Die Beschenkte wurde heimlich in den Sattel von Stute Gerda gemalt.
(Aus-)Gezeichnete Weihnachtsüberraschung: Die Beschenkte wurde heimlich in den Sattel von Stute Gerda gemalt.  © Sven Gleisberg

Emotionaler Auftrag: Anika soll mit Zeichnung Erinnerung an verstorbenen Hund aufleben lassen

Kiste voller Tuben mit Ölfarben: Die Malerin mischt ihre Farbnuancen aus einer Palette von 17 verschiedenen Grundfarben.
Kiste voller Tuben mit Ölfarben: Die Malerin mischt ihre Farbnuancen aus einer Palette von 17 verschiedenen Grundfarben.  © Sven Gleisberg

Es dauert ein bis zwei Tagen mit jeweils acht Stunden langen Sitzungen, bis ein fertiges Tier im Rahmen von 30 mal 40 Zentimetern erscheint.

"Bisher lebten alle meine Tier-Models. An meinem Marktstand in Rodewisch sprach mich jedoch eine Frau an, die ihren verstorbenen Hund als lebhafte Erinnerung von mir malen lassen will."

Einen echten A. Reiher erkennt man übrigens an der Signatur auf den Werken. "Allerdings nie auf der Vorderseite, das finde ich störend. Dafür gibt es ein Echtheitszertifikat."

Am Ende sind es manchmal nur ein paar chirurgisch kleine Pinselstriche oder ein paar typische Punkte, die den Haustierbesitzern im Bild fehlen: "Beim Australian Shepherd Buddy sollte ich zum Beispiel einen kleinen hellen Fleck an der Schnauze ergänzen."

Dann wirken Anikas gemalte Tiere so echt, als würden sie den Betrachter aus dem Bilderrahmen gleich anspringen wollen: Die Hundeschnauze erscheint regelrecht feucht. Katzenhaare ragen förmlich aus dem Bild hervor. Den Pferdehals umweht ein Hauch Natur. Anika Reiher zeichnet Tiere, als wären sie lebendige Fotos. www.anika-reiher-kunst.de

Titelfoto: Bildmontage: Sven Gleisberg

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