Vor 30 Jahren angelegt: Botanischer Blindengarten ist eine grüne Oase für alle Sinne

Radeberg - Durch eine bunte Blütenpracht schlendern, den Anblick jeder einzelnen Knospe und dabei den Duft von Kräutern genießen: Das bleibt sonst nur Sehenden vorbehalten.

Gartentherapeutin Almut Dietze (l.) begleitet Kräuterpädagogin Marion Krause gemeinsam mit ihrem Blindenhund Stella durch den Botanischen Blindengarten.  © Jürgen Lösel/dpa

Doch der Botanische Blindengarten in Radeberg macht Natur auch für blinde und sehbehinderte Menschen mit Nase und Händen erlebbar. Nun feiert die Grünanlage ihren 30. Geburtstag.

Die Idee hatte einst die sehbehinderte Pastorin und Taubblinden-Seelsorgerin Ruth Zacharias (†2021). Sie wollte einen Ort schaffen, an dem Pflanzen besonders über den Geruch und das Tasten erfahrbar werden.

Denn gerade Taubblinde fühlen sich in ihrem Körper oft wie in "einer Art Gefängnis", betont Kräuterpädagogin Marion Krause (64).

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Nicht wenige würden gegen Depressionen und Isolation kämpfen. "Die Natur über den Duftsinn zu erleben und diesen weiter zu trainieren, ist für sie eine Art Zuflucht und kann neuen Lebensmut geben."

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Gartenmeister Marcel Soblik zeigt Teilnehmerin Selda Arslantekin in einem Workshop den richtigen Schnitt an einer Duftpelargonie.  © Jürgen Lösel/dpa

25 Hochbeete in Griff- und Riechhöhe

Kräuterpädagogin Marion Krause (64) ist selbst sehbehindert, genießt den Duft der Gewürztagetes.  © Jürgen Lösel/dpa

Mittlerweile wachsen hier 1300 Pflanzenarten, darunter etwa 700 Duftpflanzen, auf dem mehr als 22.000 Quadratmeter großen Gelände. Besonders beliebt seien mehrere angelegte Duftstraßen. So auch ein Salbei-Weg mit etwa 55 Arten. Hier verstecken sich Sorten wie Pfirsich- oder Honigmelonen-Salbei, die schon bei leichtem Streifen einen starken Geruch verströmen.

25 Hochbeete sind extra in Griff- und Riechhöhe angelegt. Handläufe, Blindenschrift und tastbare Wegweiser erleichtern die Orientierung. Einige taubblinde Menschen helfen sogar regelmäßig bei der Gartenarbeit, weiß Gartenleiterin Almut Dietze. "Wichtig ist uns das Thema Sicherheit – etwas, das sich Betroffene auch im Alltag häufiger wünschen würden."

Es habe sich mit Leitstreifen, Kontrasten und tastbaren Markierungen im öffentlichen Raum für blinde Menschen in Sachsen schon einiges verbessert, so Andreas Schneider (64) vom Blinden- und Sehbehindertenverband.

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Allerdings werden die Bedürfnisse sehbehinderter Menschen bei Bauprojekten und der Digitalisierung immer noch zu häufig übersehen.

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