Wie damals auf Sylt? "Ausländer raus"-Rufe überschatten Oktoberfest in Sachsen
Meißen - Wie einst auf Sylt, soll auf einem Oktoberfest in Meißen am Wochenende die Parole "Ausländer raus" gegrölt worden sein. Der Kreisverband der Linken reagiert empört, die Veranstalter distanzieren sich. Vieles ist noch unklar.
Am Samstagabend hatte der Verein "Zaschendorf - Das Dorf in der Stadt e.V." zum jährlichen Oktoberfest am Dorfplatz des Meißner Stadtteils eingeladen.
Als der DJ im Laufe der Feier den Song "L’amour toujours" von Gigi D' Agostino spielte, habe die "Mehrheit der Anwesenden" mehrfach "Ausländer raus" gesungen, wie der Linken-Kreisverband am Montag mitteilte.
Der Vereinsvorsitzende, Eckhard Gräfe (67), schilderte gegenüber TAG24 dagegen, dass nur ein einzelner "sturzbetrunkener Gast" für das rassistische Gegröle verantwortlich gewesen sei. Gräfe betonte, dass niemand diesen Mann gekannt habe. Er sei definitiv kein Mitglied des Vereins.
Im Namen des Vereins distanzierte sich Gräfe "aufs Schärfste" und sagte: "Wir sind absolut gegen jede rechtsradikalen Tendenzen."
Laut Gräfe, nach eigenen Angaben zu jenem Zeitpunkt nicht mehr auf dem Oktoberfest zugegen, habe sich der Zwischenfall kurz nach Mitternacht abgespielt, als nur noch "wenige Gäste" vor Ort gewesen seien. Ein Vereinsmitglied habe ihn im Anschluss über die Geschehnisse informiert.
Der Polizei war der Vorfall am Montag derweil noch "völlig unbekannt", wie ein Sprecher auf TAG24-Nachfrage erklärte.
Oktoberfest in Meißen-Zaschendorf: Linke empört, Veranstalter distanziert sich
Nach Angaben der Linken hätten mehrere Gäste zuvor erfolglos versucht, den DJ zum Abbruch des Liedes zu bewegen. Auch der zweite Vorsitzende des Vereins sei nicht eingeschritten und habe auf die Meinungsfreiheit verwiesen.
"Hier wurde nicht nur gegrölt, hier wurde auch weggesehen, und zwar von denen, die Verantwortung tragen", kritisierte die Linken-Kreisvorsitzende, Jessica Hamann (35). Zugleich lobte sie jene Gäste, die nicht geschwiegen hätten: "Ihre Zivilcourage verdient Anerkennung."
Hier gehen die Schilderungen ebenfalls auseinander. Gräfe berichtete von einer "gereizten Dame", die mit ihrer Bitte, den Song auszumachen, beim DJ auch Erfolg gehabt habe. Laut dem Vereinsvorsitzenden habe der DJ nicht gewusst, dass besagtes Lied für fremdenfeindliche Zwecke missbraucht werde.
Die Linke sieht das anders: "Spätestens seit den Vorfällen auf Sylt im Mai 2024 ist das Umdichten dieses Liedes bundesweit als Erkennungszeichen rassistischer Stimmungsmache bekannt", hieß es in der Mitteilung.
TAG24 hat unterdessen von der Linken Einsicht in Videomaterial erhalten, das den Vorfall aus Meißen-Zaschendorf zeigen soll. Aus dem 12-sekündigen Clip geht allerdings nicht eindeutig hervor, ob überhaupt die fremdenfeindliche Parole gesungen wurde und wie viele Personen sich daran beteiligten.
Erstmeldung vom 26. Oktober, 15.59 Uhr. Zuletzt aktualisiert um 16.11 Uhr.
Titelfoto: Bildmontage: Sebastian Gollnow/dpa, Screenshot/Instagram/@zaschendorf.e.v

