Zu viele Fehltage? Das sagen Sachsens Kassen zur telefonischen Krankschreibung

Von Daniel Josling

Leipzig - Große Krankenkassen in Sachsen stellen sich gegen Forderungen nach Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Das zeigen Rückmeldungen von fünf Krankenversicherungen auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Seit 2023 kann man sich telefonisch krankschreiben lassen. (Symbolbild)  © Hannes P Albert/dpa

Hintergrund ist die Diskussion über den Krankenstand in Deutschland.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte angeregt, die Möglichkeit der telefonischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) auf den Prüfstand zu stellen.

Die Techniker Krankenkasse (TK) verteidigt das Verfahren ausdrücklich. "Da die telefonische Krankschreibung auf fünf Kalendertage beschränkt ist und nur ausgestellt werden darf, wenn der oder die Erkrankte in der Praxis bekannt ist und nur leichte Symptome hat, ist sie in der Abwägung eine sinnvolle Alternative zu einem Besuch in der Praxis", erklärte Alexander Krauß, Leiter der TK-Landesvertretung Sachsen.

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Auch die DAK-Gesundheit hält die Regelung "grundsätzlich für sinnvoll", insbesondere zur Entlastung der Praxen während Infektionswellen. Eine statistische Auswertung, ob Krankschreibungen telefonisch oder persönlich ausgestellt wurden, sei nicht möglich.

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Die großen Krankenkassen in Sachsen sind sich einig: Die telefonische Krankschreibung sollte nicht abgeschafft werden. (Symbolbild)  © ---/GKV-Spitzenverband/dpa

Statistisch werden heute mehr Krankmeldungen erfasst als früher

Vor allem während Infektionswellen sollen Praxen durch die telefonische Krankschreibung entlastet werden. (Symbolbild)  © Elisa Schu/dpa

Der hohe Krankenstand der vergangenen Jahre sei vielmehr durch "den statistischen Effekt der elektronischen AU-Erfassung seit 2022" sowie durch starke Infektionswellen erklärbar.

Seit 2022 werden Krankmeldungen digital direkt an die Kassen übermittelt - die Einführung erfolgte unter der damaligen Ampel-Regierung. Nach Darstellung der Krankenkassen werden dadurch heute mehr Fälle statistisch erfasst als früher.

Die AOK PLUS erklärte, aus ihren Daten ergäben sich "keine Hinweise darauf, dass die telefonische oder digitale Krankschreibung den Krankenstand erhöht hat". Eine bundesweite Auswertung komme zudem zu dem Ergebnis, dass der Anteil der Telefon-AU lediglich zwischen 0,8 und 1,2 Prozent liege.

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Auch die Barmer sieht keinen Zusammenhang zwischen Telefon-AU und Fehlzeiten. "Unsere Auswertungen zeigen keinerlei Hinweise darauf, dass die telefonische Krankschreibung oder die Krankschreibung per Videosprechstunde systematisch missbraucht wird", erklärte Landesgeschäftsführerin Claudia Beutmann. Der Anteil sei zu gering, um die Gesamtentwicklung maßgeblich zu beeinflussen.

Auch die IKK classic (Innungskrankenkasse) verwies auf die engen Voraussetzungen.

Nach Angaben mehrerer Kassen ist der Krankenstand in Sachsen zuletzt leicht gesunken. Als häufigste Ursachen für Arbeitsunfähigkeit nannten sie Atemwegserkrankungen, psychische Leiden sowie Muskel- und Skeletterkrankungen.

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