Zwei Väter klagen an: So leiden Kinder unter der Quarantäne

Leipzig/Dresden/Berlin - "Quarantäne ist wie Kindesmisshandlung". Das sagt der Leipziger Cornelius Brach (43). Die häusliche Absonderung empfanden er und sein Sohn (9) als Tortur. Andere halten sich erst gar nicht an die Anordnung.

Cornelius Brach (43) will eine Diskussion zu den Quarantäne-Regeln - insbesondere für Kinder - anstoßen.
Cornelius Brach (43) will eine Diskussion zu den Quarantäne-Regeln - insbesondere für Kinder - anstoßen.  © Ralf Seegers

Als in Valentins Leipziger Grundschule ein Mitschüler positiv auf Corona getestet wird, müssen alle für 14 Tage in Quarantäne.

Kein Spielplatz, keine Freunde, nicht einmal Spazierengehen. Vater Cornelius Brach versucht, seinen Sohn abzulenken. Meistens kicken die beiden in der Küche mit einem Stoffball.

Alle Selbsttests sind negativ. Der Junge versteht die Welt nicht mehr. "Er sagt immer wieder: Aber ich bin doch gesund!", erzählt sein Vater, der am liebsten platzen würde. "Wenn Valentin von mir zwei Wochen Hausarrest kriegen würde, ich glaube, das wäre Kindesmisshandlung."

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Noch verzwickter ist die Situation für Max Müller (44, Name geändert) in Dresden. Auch sein Sohn Maik (7, Name geändert) ist in Quarantäne. Im Haushalt der beiden gibt es noch nicht mal einen Fernseher.

Irgendwann geht es nicht mehr. Müller geht mit seinem Sohn raus, sie treffen andere Kinder. "Die Eltern wissen Bescheid", sagt Müller.

Ordnungsgelder von bis zu 25.000 Euro? "Das ist alles völlig überzogen"

Völlig unverhältnismäßig: Kinder bei Quarantäne in ihrem Zimmer isolieren. (Symbolbild)
Völlig unverhältnismäßig: Kinder bei Quarantäne in ihrem Zimmer isolieren. (Symbolbild)  © dpa/Patrick Pleul

Was beide Väter aufregt, sind die Kontrollen und die Drohungen: Ordnungsgelder von bis zu 25.000 Euro bei Verstoß. "Das ist alles völlig überzogen", sagt Cornelius Brach, "in Sachsen sind bestimmt Tausende gesunde Kinder betroffen".

Er fordert, gesunde Kontaktpersonen sollten anders behandelt werden als Positiv-Getestete und will eine Lockerung der Quarantäne.

Nein, sagt das Sozialministerium. "Vor dem Hintergrund der Erkenntnisse der Virusvariation B 1.1.7 hat sich gezeigt, dass die Absonderungszeit nicht mehr verkürzt werden sollte." Im Verlauf der Absonderung könnten sich noch Symptome entwickeln. Ähnlich fällt die Antwort des Gesundheitsamts Leipzig aus.

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Für die beiden Familien ist die Quarantäne jetzt rund drei Wochen her. Die beiden Söhne sind nach wie vor gesund. Selbst mit dem Abstand hat sich an der Haltung von Cornelius Brach nichts geändert. "Auch ich würde wieder so handeln", sagt Max Müller.

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Und das sagt der Kinderschutzbund

DKSB-Präsident Heinz Hilgers (72).
DKSB-Präsident Heinz Hilgers (72).  © DKSB

Ist Quarantäne Kindesmisshandlung? "Quarantäne aus gesundheitlichen Gründen ist nicht mit Kindesmisshandlung zu vergleichen", so der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB) auf TAG24-Anfrage.

Weiter heißt es: Quarantäne orientiere sich an der Inkubationszeit. Deshalb könne "Freitesten" unter Umständen nicht sinnvoll sein.

Kritisch sieht man beim DKSB allerdings, wenn sich sehr junge Kinder getrennt vom Rest der Familie in ihrem eigenen Zimmer aufhalten sollen. In mindestens einem Fall drohten Behörden, einen 8-Jährigen bei Zuwiderhandlung aus der Familie "herauszunehmen".

Dazu sagt DKSB-Präsident Heinz Hilgers (72): "Die Situation der Quarantäne ist für Familien, insbesondere für Kinder ohnehin sehr belastend. Kinder in dieser Phase von ihren Eltern und Geschwistern zu isolieren, ist eine Form psychischer Gewalt."

Er ruft dazu auf, in allen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie dem Kindeswohl und den Kinderrechten Vorrang einzuräumen.

Titelfoto: Montage: Ralf Seegers; dpa/Patrick Pleul

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