Kita-Schließungen: Bürgermeister setzt auf Schulterschluss der Träger
Zwickau - Die Kinder fehlen, Kitas machen dicht: Bis 2030 sollen in Zwickau insgesamt fünf Standorte wegfallen. Doch die Stadt geht den Umbau gemeinsam mit freien Trägern an, Vereinen und Kirchen, die Kitas betreiben. Nach Angaben der Beteiligten ist diese gemeinsam erarbeitete Strategie bislang einmalig in Sachsen.
"Wir haben genug Plätze für zu wenig Kinder", sagt Bürgermeister Sebastian Lasch (49, SPD). "Es gibt Handlungsbedarf. Doch es kann nur mit den freien Trägern gehen."
Knapp 800 Plätze sollen wegfallen, rund 5400 bleiben. Der aktuelle Bedarfsplan des Landkreises sieht für Zwickau 2026/27 ebenfalls rund 5400 Betreuungsplätze vor, darunter 2400 Hortplätze.
"Wir gehen nicht mit dem Rasenmäher drüber", betont Sozialamtsleiter Marcel Kruppa (38). Entscheidend seien die Entwicklung der Kinderzahlen in den einzelnen Stadtteilen, die Auslastung der Einrichtungen und der Zustand ihrer Gebäude. Die Qualität der Betreuung und die Vielfalt der Anbieter sollen erhalten bleiben.
"Eltern sollen weiterhin einen Platz in ihrem Stadtteil bekommen."
Keine bessere Personalausstattung
"Wenn wir Probleme in unserer Gesellschaft haben, sollten wir uns zur Lösung zusammensetzen", sagt Hans-Jürgen Melle (61) vom Arbeitskreis Freie Träger.
Nicht aufgegangen sei die Hoffnung, sinkende Kinderzahlen für eine bessere Personalausstattung zu nutzen. Sachsens aktueller Finanzierungsschlüssel sieht rechnerisch eine Vollzeitstelle für rund 4,5 Krippen- oder 10,5 Kindergartenkinder vor - einschließlich Vorbereitungszeit.
Betroffen sind "Buratino", "Spaßvogel" und die Kita in Auerbach. Die "Pusteblume" soll in die sanierte Kita "Harlekin" umziehen.
Als fünfter Standort ist die Kita Gutwasserstraße bereits geschlossen. Im Oktober soll der Stadtrat über die Strategie entscheiden.
Titelfoto: Bildmontage: propicture-fotoagentur/Ralph Köhler, Ralph Kunz

