Kommentar zur VW-Hängepartie in Zwickau: Es braucht Klarheit!
Zwickau - Bei VW in Zwickau-Mosel scheint es fünf vor zwölf. Der Vorstand will wohl die Fahrzeugproduktion in Zwickau 2031 auslaufen lassen. VW selbst schweigt eisern. Ein Kommentar.
Doch Zwickau braucht endlich Klarheit. Im schlimmsten Fall beginnt eine Kettenreaktion: Zulieferer verlieren Aufträge, Kommunen Steuereinnahmen, Kaufkraft verschwindet, Häuser verlieren an Wert, junge Fachkräfte ziehen weg. Händler, Handwerker und Gastronomen spüren es an ihren Kassen.
Das sächsische Wirtschaftsministerium geht davon aus, dass mehr als 100.000 Menschen in der Region direkt oder indirekt an der Entwicklung hängen.
Natürlich gibt es in Zwickau auch jene, die VW-Beschäftigten ihre vergleichsweise guten Löhne und Sozialleistungen nie gegönnt haben. Der VW-Ausweis galt jahrzehntelang fast als wirtschaftliche Lebensversicherung.
Und manche Geschichte hat das Bild vom verwöhnten Autobauer zusätzlich gefüttert. 2014 verloren rund 60 Beschäftigte nach Manipulationen an einem Verpflegungsautomaten ihre Jobs.
Auch die Autos mit Wolfsburger Kennzeichen haben im Zwickauer Straßenbild nicht überall den besten Ruf. Daraus ist über Jahre eine Mischung aus Spott, Neid und dem Eindruck entstanden: Die bei VW haben es doch gut und wollen trotzdem immer mehr.
Doch Schadenfreude wäre jetzt ziemlich dumm. Denn wenn der gut bezahlte VW-Mitarbeiter plötzlich keinen gut bezahlten Job mehr hat, kauft er weniger beim Juwelier, bestellt seltener den Handwerker, verschiebt den Hausbau und überlegt zweimal, ob er abends essen geht. Zwickau und Südwestsachsen gehen harten Zeiten entgegen.
Titelfoto: Bildmontage: Jan Woitas/dpa, Kristin Schmidt
