Von André Klohn
Rendsburg - Seit Mittwochnachmittag liefen bei Rendsburg (Schleswig-Holstein) Vorbereitungen für den Brückenschluss der neuen Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal. Fahrzeuge werden jedoch frühestens erst gegen Ende des Jahres über die neue Brücke rollen.
Zwar verbindet das Bauwerk nach dem Einsetzen des Mittelteils beide Kanalseiten, bis zur Verkehrsfreigabe ist aber noch etliches notwendig.
Das 118 Meter lange und 1250 Tonnen schwere Mittelteil war im Rendsburger Kanalhafen entstanden und dort am Dienstag auf einen Spezial-Ponton verladen worden. Von dort wurde das Mittelstück dann am Mittwochabend auf dem Wasser unter den bereits bestehenden Brückenenden auf beiden Kanalseiten in Stellung gebracht. In der Nacht zu Donnerstag wurde es mithilfe von Hydraulik-Pressen angehoben und am Morgen in rund 50 Metern Höhe eingesetzt.
Zuletzt mussten die Experten aber noch improvisieren. Kurz vor Schluss mussten Arbeiter noch Hand anlegen. Hintergrund seien erwartete hohe Temperaturen in den kommenden Tagen, sagte der Sprecher der bundeseigenen Projektmanagementgesellschaft Deges, Ulf Evert, zur Deutschen Presse-Agentur.
Weil Stahl sich bei Wärme ausdehne, hätten diese Druck auf das Mittelstück erzeugt. "Und aus dem Grund haben wir uns entschlossen, auf der Nordseite vom Mittelstück quasi eine Scheibe abzuschneiden, zu trennschleifen." Um 9.52 Uhr war der Brückenschluss jedoch geschafft, der Kanal konnte danach wieder für die Schifffahrt freigegeben werden. "Das Stück hat gepasst", sagte Evert.
Rader Hochbrücke: Warum wird überhaupt gebaut?
Nach Deges-Angaben soll die neue Brücke Ende des Jahres für den Verkehr in beiden Richtungen freigegeben werden. Ein genaues Datum nennt die Projektmanagementgesellschaft aber nicht. Rollt der Verkehr, soll der Abriss der alten Brücke starten und 2028 an gleicher Stelle der Bau der zweiten neuen Brücke beginnen.
Gebaut wird bei laufendem Verkehr. Auf der ersten neuen Brücke stehen solange zwei Fahrstreifen je Fahrtrichtung zur Verfügung. Kurzzeitige Verkehrseinschränkungen sind nach Deges-Angaben aber nicht zu vermeiden.
Warum überhaupt gebaut wird? Im Sommer 2013 hatten Experten bei einer Routineprüfung der aktuell genutzten Brücke starken Verschleiß an den Betonelementen festgestellt. Sachverständige bescheinigten eine Restnutzungsdauer nur noch bis Ende 2026. Über die von 1969 bis 1972 erbaute, knapp 1500 Meter lange Brücke rollen laut Deges mittlerweile 54.000 Fahrzeuge am Tag.
Für 2030 wird mit 61.900 Fahrzeugen gerechnet. Eine weitere Ertüchtigung wäre demnach keine langfristige Lösung gewesen.