DSC-Kapitänin Jennifer Janiska trotz WM-Enttäuschung: "Wir haben Potenzial!"

Dresden - Der DSC ist endlich komplett! Als letzte Spielerin reiste Kapitänin Jennifer Janiska (28) am Montag nach Dresden, absolviert am Dienstag ihr erstes Training mit dem neu formierten Team.

Jennifer Janiska steigt am Dienstag bei ihrem Verein Dresdner SC nach der Volleyball-WM wieder ins Training ein.
Jennifer Janiska steigt am Dienstag bei ihrem Verein Dresdner SC nach der Volleyball-WM wieder ins Training ein.  © Lutz Hentschel

Nach der etwas enttäuschenden WM hat TAG24 mit der Spielführerin der deutschen Nationalmannschaft ein Fazit gezogen und darüber gesprochen, was in Hinblick auf Olympia 2024 in Paris nötig ist.

TAG24: Mit Platz 14 hat das DVV-Team bei der WM die schlechteste Platzierung seit der Wiedervereinigung erreicht. Wie ordnen Sie das Ergebnis ein?

Jennifer Janiska: Die Tabelle lügt nicht. Das ist in der Bundesliga so, denn wer am Ende Erster nach der Hauptrunde war, ist in der Regel auch deutscher Meister geworden. Bei der WM spiegelt also diese Platzierung die Realität wider. Wir hatten einige gute Spiele dabei und sind immer in die Crunch-Time über 20 Punkte gekommen, aber dann haben wir es nicht geschafft, den Satz zuzumachen.

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TAG24: Hat die Mannschaft das vorhandene Potenzial ausgeschöpft?

Jennifer Janiska: Zu 90 Prozent Ja.

Nach Platz 14 bei der Volleyball-WM: Deutschland rutscht in der Weltrangliste ab

Nach der WM sind die deutschen Volleyball-Frauen in der Weltrangliste auf Platz 14 abgerutscht.
Nach der WM sind die deutschen Volleyball-Frauen in der Weltrangliste auf Platz 14 abgerutscht.  © Volleyballworld

TAG24: Dennoch ist das Abschneiden alles in allem enttäuschend?

Jennifer Janiska: Ja, schon. Ausschlaggebend für die Platzierung war das Spiel in der Vorrunde gegen Kanada. Das hätten wir nach 2:0-Satzführung nicht verlieren dürfen. Das ist uns ständig nachgelaufen. Die Tage danach und die Zwischenrunde waren hart. Spiele gegen die Dominikanische Republik oder gegen Polen zu verlieren, war nicht nur enttäuschend, sondern natürlich für die Weltrangliste nicht günstig. Diese Mannschaften haben uns jetzt überholt, wir sind nur noch 13. Das macht die Ausgangslage für die Olympia-Qualifikation für 2024 natürlich nicht einfacher.

TAG24: Das Spiel gegen die USA, das einen Tag vor der wichtigen Partie gegen Kanada absolviert wurde, schenkte Trainer Vital Heynen (53) ein wenig ab, in dem er Spielerinnen von der Bank die Chance gab, von Anfang an zu spielen, andere wurden geschont. War das ein Fehler?

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Jennifer Janiska: Ich kann den Ansatz verstehen, Spielerinnen zu schonen, weil Kanada das bedeutend wichtigere Spiel für uns war. Aber mit Abstand betrachtet, müssen wir natürlich analysieren, ob die Konstellation, wie wir das Turnier angegangen sind, für unser junges Team die richtige war.

DSC-Kapitänin Jennifer Janiska zum flexiblen System: "Es war kein Überraschungseffekt da"

Die deutsche Mannschaft jubelte bei der WM in den Niederlande und Polen zu selten, erreichte am Ende den 14. Platz.
Die deutsche Mannschaft jubelte bei der WM in den Niederlande und Polen zu selten, erreichte am Ende den 14. Platz.  © Roman Zawistowski/PAP/dpa

TAG24: Vor dem Turnier hatten der Trainer, aber auch Sie und Lena Stigrot (27) den Systemwechsel mit drei Außenangreiferinnen und der Möglichkeit, auch das normale System mit einer Diagonalen zu spielen, als großen möglichen Vorteil ausgemacht. Hätten Sie gedacht, dass das zum Problem umschlagen könnte?

Jennifer Janiska: Vor der WM hätte ich in Kienbaum nicht Trainer sein wollen, nicht entscheiden wollen. Das war wirklich krass. Vom Niveau der Spielerinnen und dem Konkurrenzdruck her, waren wir alle spielfähig, wirklich alle. Von daher kann ich es verstehen, dass wir die Spiele unterschiedlich angegangen sind. Unser Kader ist jung, uns fehlt aber die Konstanz. Von daher kann es sein, dass es nicht ganz so funktioniert hat, wie wir es uns ausgemalt oder erhofft haben.

TAG24: Also hat es der Mannschaft nicht Kraft gegeben, weil man sich seiner Mittel sicher war, sondern eher zur Verunsicherung geführt?

Jennifer Janiska: Das nicht unbedingt, aber es war auch kein Überraschungseffekt da. Dennoch kann ich es verstehen, dass wir die WM so angegangen sind, weil Louisa Lippmann (28) uns jetzt fehlt und Kimberly Drewniok (25) erst später zum Team dazu kam. Zudem hat Lena Stigrot die Nations League sehr gut gespielt. Warum sollte man es nicht weiter so spielen!? Vital hat alle auf eine Ebene gestellt und geschaut, was ist für uns die beste Lösung. Dass wir den Ansatz hatten, unberechenbar zu sein, weil wir jedes Spiel mal wechseln, kann ich auch verstehen. Nur war der Sommer lang, es wurden vor der WM schon viele Partien absolviert und die Gegner haben sich einfach gut darauf eingestellt. Dann fehlt unserem Team momentan einfach diese eine Spielerin, dieses Go-To-Girl, die bei 22:22 den Pass aktiv fordert und den Punkt dann auch macht. Die gibt es nicht mehr. Das müssen wir also lernen. Wir alle müssen der Zuspielerin signalisieren: ‚Hey, gib mir den Pass‘. Und das sind diese restlichen zehn Prozent, die fehlen.

DSC-Kapitänin Jennifer Janiska musste Enttäuschung über Bankplatz zum Auftakt verarbeiten

Dass sie im ersten Spiel nicht in der Startformation stand, musste Jennifer Janiska (28) erst einmal verarbeiten.
Dass sie im ersten Spiel nicht in der Startformation stand, musste Jennifer Janiska (28) erst einmal verarbeiten.  © IMAGO / Newspix

TAG24: Sie haben, wenn sie spielen durften, immer gezeigt, wie wichtig sie für die Mannschaft sind und dass sie Verantwortung übernehmen. Wie groß waren die Enttäuschung und der Schock, als sie im Auftaktspiel gegen Bulgarien als Kapitänin nicht in der Startformation standen?

Jennifer Janiska: Groß! Man musste sich natürlich darauf einstellen. Aber als Kapitän und als eine, die schon zehn Jahre dabei ist, muss man erstmal damit klarkommen. Ich hatte nicht viel Zeit, das zu akzeptieren. Man muss es hinnehmen. Ich habe versucht, mich nicht reinzusteigern und Frust zu schieben. Ich habe mir gesagt, dass ich dann vielleicht das zweite Spiel gegen Kasachstan spiele, das war in Holland, meine Familie war da, also eigentlich alles ok.

TAG24: In allen Spielen haben Sie eine tolle Leistung gezeigt, wenn Sie auf dem Feld waren und das in allen Elementen. Wie viel Frust steckte da drin?

Jennifer Janiska: Wenn ich mit Frust spiele und sauer werde, dann funktioniert das nicht. Ich muss schon klar im Kopf sein und meine Emotionen steuern, eher rational bleiben. Das hat gut funktioniert. Ich wurde zum Schluss von Spiel zu Spiel ein bisschen besser, das hat mich zufriedengestellt.

Entwicklungsprozess bis zur Olympia-Quali wichtig: "Spielerinnen müssen Spiele entscheiden!"

Camilla Weitzel (22, l.) und Jennifer Janiska 28, (r.) blocken gemeinsam. Beide übernahmen bei der WM viel Verantwortung.
Camilla Weitzel (22, l.) und Jennifer Janiska 28, (r.) blocken gemeinsam. Beide übernahmen bei der WM viel Verantwortung.  © Roman Zawistowski/PAP/dpa

TAG24: An was muss das DVV-Team in Hinblick auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2024 in Paris arbeiten?

Jennifer Janiska: Die Ausgangslage ist natürlich noch schwieriger. Aber es sind ja noch eineinhalb Jahre Zeit. Wir haben noch zweimal die Nations League, die wichtig ist und ein olympisches Qualifikationsturnier. Stand jetzt ist wohl die Nations League 2024 ausschlaggebend. Wenn man es dort schafft, in der Weltrangliste hochzuklettern, ist noch alles möglich.

TAG24: Was ist dafür jetzt in der Ligazeit nötig, denn als Nationalteam treffen sich alle erst nächsten Sommer wieder!?

Jennifer Janiska: Wir brauchen Führungsspielerinnen und die müssen sich entwickeln, das kommt natürlich nicht von heute auf morgen. Wenn wir wichtige Spiele gewinnen wollen, müssen alle an einem Strang ziehen und das eine Ziel verfolgen. Dafür müssen viele wichtige Partien gespielt und auch gewonnen werden. Sei es in der Bundesliga, in Italien oder in der Türkei. Spielerinnen müssen Spiele entscheiden. Das ist eine mentale Sache.

TAG24: Es gibt noch einige Spielerinnen in Deutschland, die für die WM nicht berücksichtigt wurden, wie Anastasia Cekulaev (19), aber eben auch bei Ihrem Verein DSC mit Zuspielerin Sarah Straube (20), Außenangreiferin Julia Wesser (19) und Lara Berger (20) auf Diagonal. Wie viel Potenzial ist da noch in der Hinterhand?

Jennifer Janiska: Jede Menge. Es kommen viele nach. Was das angeht, bin ich beruhigt. Da gab es schon ganz andere Jahre. Ich habe auch richtig Bock, wieder mit meinen Mädels in Dresden zu trainieren und was zu entwickeln und Teil davon zu sein.

Jennifer Janiska war überrascht, dass die Volleyball-WM nicht im Free-TV übertragen wurde

Vor der WM verlängerte Jennifer Janiska (28) ihren Vertrag beim DSC für zwei weitere Jahre.
Vor der WM verlängerte Jennifer Janiska (28) ihren Vertrag beim DSC für zwei weitere Jahre.  © Lutz Hentschel

TAG24: Die WM wurde auf sportdeutschland.tv nur im Bezahlstream im Internet gezeigt. Wie fanden Sie das?

Jennifer Janiska: Ich war total überrascht, dass es keine Übertragung bei Sport1 gab. Das war mir gar nicht bewusst, weil es die letzten Jahre immer im Free-TV gezeigt wurde. Ich war überrascht, dass es nur auf sportdeutschland kam und meiner Meinung nach ist das nicht der Weg für die Zukunft.

TAG24: In der Frauen-Bundesliga ist es aber mit den Spielen, bis auf die ausgewählten Partien, die frei auf Sport1 gezeigt werden, mit der Plattform Sport1extra das Gleiche und die Preise wurden erhöht. Was halten Sie davon?

Jennifer Janiska: Ich finde es richtig, dass man etwas zahlen muss, aber für die Frauen-Bundesliga ist mir der Preis gerade zu hoch. Natürlich kostet zum Beispiel Volleyballworld monatlich 7,99 Euro, aber da habe ich eine andere Qualität. Wenn ich den Preis erhöhe, dann erwarte ich als Nutzer natürlich eine höhere Qualität. Das ist sicher für einige Vereine sehr schwer zu realisieren. Beim DSC sind wir da schon sehr gut und waren in der Corona-Zeit Vorreiter mit der Produktion und Kommentierung.

Jennifer Janiska freut sich auf den DSC und das Gefühl sagt, "dass es gut wird"

TAG24: Mit welchen Gedanken starten Sie am Dienstag ins erste Training mit ihrem Verein DSC?

Jennifer Janiska: Ich habe absolute Vorfreude in mir. Wir haben ein neues Team, mit neuen Charakteren. Körperlich geht es mir total gut, deshalb freue ich mich riesig, zu trainieren, zu zocken und ich bin total gespannt. Klar wollen wir was gewinnen, aber unser Druck ist mit dem jungen, neuen Team nicht extrem und ich denke auch, dass einige uns unterschätzen könnten. Wir brauchen uns vor niemandem verstecken, wir sind gefährlich und irgendwie sagt mir mein Gefühl, dass es gut wird.

Titelfoto: Lutz Hentschel

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