Hamburg - Europäischer Spitzenwettbewerb oder nationaler Kulturbetrieb: Was will die Bundesliga sein? Eine Frage, auf die es wahrscheinlich keine Antwort gibt. Dennoch haben es Präsident des FC St. Pauli, Oke Göttlich (50), Alexander Wehrle, Vorstandsvorsitzender VfB Stuttgart (50) und Oliver Leki (53), Chief Financial Officer, Organization & Marketing SC Freiburg in einer kontroversen Runde bei der SPOBIS Conference versucht.
Drei Bundesliga-Vereine mit ganz unterschiedlichen Ansätzen, die doch eines eint: Die 50+1-Regel muss bestehen bleiben.
Und trotzdem sind die großen Fragen: Wie kann man dann im europäischen Spitzenwettbewerb weiter mithalten? Und: kann die Bundesliga spannend bleiben und vor allem wieder spannender werden?
Das vorab: Zu DER Antwort ist die Runde nicht gekommen. Mehrere Gedanken wurden aber dennoch heiß diskutiert.
Leki jedenfalls brachte es in der rund einstündigen Diskussion seinerseits mit nur einem Satz auf den Punkt und sorgte damit für Applaus im Saal. Seiner Meinung nach stehe man seit Jahren nur vor dieser kontroversen Diskussion, weil man Ende der 90er die "Ausnahme von 50+1-überhaupt erst zugelassen" habe.
"Das war ein historischer Fehler! Den Problemen daraus, laufen wir bis heute hinterher." Offizielle Ausnahmen der 36 Erst- und Zweitliga-Klubs sind Bayer 04 Leverkusen sowie VfL Wolfsburg.
Die 50+1-Regel des deutschen Profifußballs besagt, dass die Muttergesellschaft - in diesem Fall der e.V. - auch nach Ausgliederung des Profibereichs in ein Unternehmen (z.B. AG, oder GmbH) die Stimmenmehrheit behalten muss. Dadurch soll die Kommerzialisierung durch Investoren begrenzt bleiben.
Was also würde passieren, wenn diese Ausnahmen zur Regel würden? "Wenn ich jetzt 50+1 aufgeben würde, wäre der nationale Wettbewerb ja noch weiter auseinander. Das heißt, wenn wir das öffnen würden, wäre Bayern München in einer ganz anderen Liga nochmal. Ich bin fest davon überzeugt, dass das kein Weg wäre", betonte Wehrle.
Eine Ansicht in der sich die drei Bundesliga-Experten zumindest einig waren.
Premier League als Beispiel: "Ich wehre mich immer dagegen. Wir sind nicht die Engländer"
Moderator Marco Klewenhagen (57, Geschäftsführer von SPOBIS) provozierte die Teilnehmenden dennoch und nannte die Premier League als "gutes" Beispiel. Dort sind Investoren seit mehreren Jahren zugelassen, Klubs wurden an sie verkauft.
St.-Paulis Göttlich konterte und verwies klar auf den Grundsatz des europäischen Fußballs und auch das nationale System: Es gehe um Auf- und Abstieg. Und gerade um den Willen der Fans, die den Fußball in Deutschland klar prägen, müsse man den Liga-Wettbewerb wieder interessanter gestalten.
Und um am Ende europäischen Bereich mithalten zu können, gelte es, den Fokus weiterhin erstmal auf eine sinnvolle Lösung im nationalen Bereich zu legen, denn: "Die nationale Liga ist der Qualifikationswettbewerb für die Europäische. Dadurch, dass wir den nationalen Liga-Wettbewerb heute schon auseinandergehen lassen, manifestieren wir damit auch die europäische Teilnahme in der Regel. Dadurch geht die Schere noch weiter auseinander."
Leki brachte außerdem hervor, man könne die Ligen von Deutschland und England gar nicht direkt vergleichen, schließlich unterschieden sie sich grundsätzlich in ihrer Geschichte, der Bedeutung des Vereinswesens und der Sozialisation. "Ich wehre mich immer dagegen, zu sagen, wir machen es wie die Engländer. Wir sind halt nicht die Engländer."