Greuther Fürth: Geht's für Abstiegskandidat Nummer eins direkt wieder runter?

Fürth - Als die Spielvereinigung Greuther Fürth im Sommer 2012 die 1. Bundesliga erreichte, war die Freude groß. Ein Jahr später war Ernüchterung am Ronhof eingekehrt. Ohne einen einzigen Heimsieg stiegen die Franken wieder ab. Auch 2021/22 droht den Fürthern als Verein mit dem kleinsten Etat der Liga der direkte Wiederabstieg.

Adrian Fein ist Top-Transfer der Spielvereinigung Greuther Fürth

Adrian Fein (22) könnte der Strippenzieher im Mittelfeld der Spielvereinigung Greuther Fürth.
Adrian Fein (22) könnte der Strippenzieher im Mittelfeld der Spielvereinigung Greuther Fürth.  © Christian Charisius/dpa

Das Saisonziel Klassenerhalt kann Greuther Fürth nur über das Kollektiv erreichen. Dennoch ist es einfach, Adrian Fein (22) als Königstransfer auszumachen. Nach einer guten Zweitliga-Saison für den Hamburger SV ist die Passmaschine Fein beim Götze-Klub PSV Eindhoven weiter gereift, auch wenn die Kaufoption nicht gezogen wurde.

Fein ist mittlerweile zum FC Bayern zurückgekehrt und wird nun für zwei Jahre von den Fürthern ausgeliehen.

Der 22-Jährige ist auf der Suche nach einer festen fußballerischen Heimat. Durch Abgänge sind genügend Lücken im Mittelfeld der Franken entstanden, um ihm die notwendige regelmäßige Einsatzzeit zu sichern.

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Meistens spielt Fürth im 4-3-2-1 oder im 4-4-2. Ganz gleich ob flach oder in der Raute interpretiert, findet sich dort immer ein Platz für Fein, der die nötige Ruhe im Spiel des Aufsteigers schaffen soll.

Justin Hoogma, Gideon Jung, Nils Seufert und Max Christiansen sind weitere Neuzugänge der Fürther

Zum Trainingsauftakt wurden die Neuzugänge Gideon Jung (26) Nils Seufert (24) und Max Christiansen (24, v.l.n.r.) präsentiert.
Zum Trainingsauftakt wurden die Neuzugänge Gideon Jung (26) Nils Seufert (24) und Max Christiansen (24, v.l.n.r.) präsentiert.  © Daniel Karmann/dpa

Neben der Leihe von Adrian Fein probiert es Fürth auch mit weiteren Leihgeschäften. Justin Hoogma (23, TSG Hoffenheim) winkt in der Viererkette gleich ein Stammplatz. Angreifer Jessic Ngankam (20, Hertha BSC) hielt zwar die Berliner in der Bundesliga, wird aber wegen einer Meniskus- und Kreuzbandverletzung monatelang fehlen. Abwehrspieler Gideon Jung (26, Hamburger SV) hat seine Bundesliga-Tauglichkeit bereits unter Beweis gestellt.

Nils Seufert (24, Arminia Bielefeld) ist eine durchschnittliche Alternative im Mittelfeld, mehr aber wohl nicht. Max Christiansen (24, Waldhof Mannheim) hat sich in der 3. Liga in den Blickpunkt gespielt.

Der ehemalige U19-Nationalspieler bereichert Fürth mit jeder Menge Spielintelligenz, in den Zweikämpfen muss er im Erstliga-Bereich aber noch eine Schippe drauflegen.

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Ob Torhüter Lasse Schulz (18), Verteidiger Elias Kratzer (21) oder Offensiv-Juwel Mert-Yusuf Torlak (18) bereits ernsthafte Alternativen für die Erste Mannschaft der Fürther darstellen, obwohl sie sich bisher nur in der zweiten Mannschaft oder im Nachwuchs der Spielvereinigung beweisen durften, bleibt abzuwarten.

SpVgg Greuther Fürth: Abgänge von Sebastian Ernst, Paul Jaeckel und David Raum wiegen schwer

Auf die Antritte und die Passsicherheit von David Raum (23, rechts) muss Greuther Fürth in der Bundesliga verzichten. Er kickt nun für die TSG Hoffenheim.
Auf die Antritte und die Passsicherheit von David Raum (23, rechts) muss Greuther Fürth in der Bundesliga verzichten. Er kickt nun für die TSG Hoffenheim.  © Marton Monus/dpa

Der Verlust von Linksfuß David Raum (23) wiegt schwer. 15 Torvorlagen als Linksverteidiger - eine herausragende Bilanz. Dass er in Hoffenheim für höhere Aufgaben berufen ist, wies er auch bei der U21-Europameisterschaft nach.

Letztes Jahr im offensiven Mittelfeld eine Bank war Sebastian Ernst (26). Er entschied sich für eine Rückkehr zu Hannover 96 und bleibt damit in der 2. Bundesliga.

Ersetzt werden muss auch der zuverlässige Innenverteidiger Paul Jaeckel (23), den es zum 1. FC Union Berlin zog.

Routinier Mergim Mavraj (35) kam letzte Saison immerhin zu 19 Einsätzen. Nun schnürt er die Töppen für Türkgücü München.

Gern behalten hätte die Spielvereinigung wohl auch Anton Stach (22). Der Olympia-Teilnehmer wechselt zum 1. FSV Mainz 05.

Durchwachsene Vorbereitung der Fürther, auch die Form macht Sorgen

Optimal lief die Vorbereitung für Fürth definitiv nicht. Dennoch gibt sich Trainer Leitl (43) kämpferisch.
Optimal lief die Vorbereitung für Fürth definitiv nicht. Dennoch gibt sich Trainer Leitl (43) kämpferisch.  © Marton Monus/dpa

Bei einigen Teams macht die Vorbereitung Mut auf die Saison. Das gilt weniger für die Spielvereinigung Greuther Fürth. Kein Sieg gelang, Spiele gegen Bayern München II (0:1) und die Würzburger Kickers (0:1) gingen verloren.

Es folgten Unentschieden gegen Zweitliga-Aufsteiger Ingolstadt (1:1) und Liga-Kontrahent TSG Hoffenheim (2:2), ehe die Generalprobe gegen Fenerbahce Istanbul mit einer 2:3-Niederlage endete.

Auch die erste Pokalrunde dürfte das Selbstvertrauen der Spielvereinigung nicht weiter erhöht haben. Gegen Babelsberg waren die Franken das klar spielbestimmende Team, kamen jedoch in 120 Minuten nicht über ein 2:2 hinaus und unterlagen schließlich im Elfmeterschießen.

Etwas Pech in der Vorbereitung kam für das Kleeblatt noch hinzu. Das Testspiel gegen Augsburg wurde wegen eines Corona-Falls beim FCA abgesagt. Im Trainingslager in Bramberg am Wildkogel (Österreich) musste wegen Überflutungen der Trainingsplan kurzfristig umdisponiert werden.

Kader der Spielvereinigung Greuther Fürth: Start im 4-4-2 oder 4-3-2-1?

Havard Nielsen (28, links) und Branimir Hrgota (28) wollen auch in der 1. Bundesliga unter Beweis stellen, dass sie ein torgefährliches Angriffsduo bilden können.
Havard Nielsen (28, links) und Branimir Hrgota (28) wollen auch in der 1. Bundesliga unter Beweis stellen, dass sie ein torgefährliches Angriffsduo bilden können.  © David Inderlied/dpa

Auch wenn gegen den SV Babelsberg Marius Funk (25) das Fürther Tor hütete, dürfte zum Bundesliga-Auftakt in Stuttgart der etatmäßige Keeper Sascha Burchert (31) im Kasten stehen. Vor ihm verteidigt in der Regel einer Viererkette. Dort könnten Gideon Jung (26) und Maximilian Bauer (21) die Innenverteidigung bilden. Weil zuletzt Rechtsverteidiger Marco Meyerhöfer (25) und Linksverteidiger Luca Itter (22) verletzt ausfielen, liefen im Pokal mit Jung, Bauer, Abdourahmane Barry (21) und Hoogma vier etatmäßige Innenverteidiger auf.

Speziell auf der Außenverteidiger-Positionen täte dem Kleeblatt ein weiterer flexibel einsetzbarer Spieler gut. Im Mittelfeld ist Paul Seguin (26) nach einer überragenden Zweitliga-Saison gesetzt. Im Unterhaus wies der Standardschütze eine bislang kaum gekannte Torgefahr nach.

Neben ihm oder ganz hinten in der Mittelfeld-Raute könnte Hans Nunoo Sarpei (22), der Mann mit dem berühmten Onkel auflaufen. In Fürth zum Leistungsträger gereift ist zudem Julian Green (26), der mit seiner überragenden Schnelligkeit und Schusstechnik auch gut für das Konterspiel in Liga eins geeignet ist.

Rechts im Mittelfeld könnten die Neuzugänge Christiansen und Seufert den Platz unter sich ausmachen. Komplettiert wird das Mittelfeld normalerweise durch Adrian Fein. Trainer Stefan Leitl (43) gab im Pokal allerdings dem Offensivmann Timothy Tillman (22) den Vorzug.

Im Angriff führt an Kapitän Branimir Hrgota (28) kein Weg vorbei. Dem Schweden wird ein Hang zur Schludrigkeit nachgesagt. Gegen Babelsberg verballerte er einen Elfmeter. Neben ihm haben der wuchtige Havard Nielsen (28) oder der spielstarke Shooting-Star Jamie Leweling (20) die besten Einsatzchancen. Bei Rückstand oder gegen tiefstehende Gegner wäre auch ein Dreiersturm der genannten Angreifer denkbar. Zudem drängt der junge Dickson Abiama (22) ins Team. Der Fürther Joker-König kam letztes Jahr aus der Bayern-Liga und schoss am letzten Spieltag gegen Fortuna Düsseldof das entscheidende Tor zum Aufstieg. Eine Wundertüte bleibt Stürmer Emil Berggreen (28), der im Vorjahr oft von Verletzungsproblemen ausgebremst wurde.

Stärken und Schwächen von Greuther Fürth

Fürth geht als Außenseiter in die Saison. Trotzdem kann über das Kollektiv die ein oder andere Überraschung gelingen.
Fürth geht als Außenseiter in die Saison. Trotzdem kann über das Kollektiv die ein oder andere Überraschung gelingen.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Nur sechs Niederlagen in der Vorsaison - so leicht ist die Spielvereinigung nicht zu schlagen. Das war der ligaweite Bestwert.

Auch, dass die Spielvereinigung auswärts die meisten Punkte von allen Teams holen konnte, lässt für Spiele gegen die klar favorisierten Teams hoffen. Viele Offensivakteure sind abschlussstark und torgefährlich. Fürth ist alles andere als eine klassische One-Man-Show.

Verletzungsprobleme brachten die Grün-Weißen in der Vorbereitung aus dem Tritt. Die durchwachsene Bilanz in der Vorbereitung erklärt sich auch mit einer defensiven Anfälligkeit. Im Aufstiegsjahr kassierte Fürth in den letzten fünf Saisonspielen jeweils 2 Treffer. Zu viel, um dem Abwehrbund das Attribut sattelfest zuzugestehen.

Sinnbildlich zeigte das Pokalspiel gegen Babelsberg die Probleme der Fürther auf, der klaren Favoritenrolle gerecht zu werden. Immerhin wird dieses Szenario in der Ersten Liga kaum eine Rolle spielen. Fürth geht in fast jedes Match als Außenseiter, auch weil es vielen Spielern im Kader gänzlich an Bundesliga-Erfahrung mangelt.

TAG24-Prognose: So wird die Fürther Saison

Verletzungssorgen, eine Vorbereitung zum Vergessen und das Pokal-Aus im Gepäck. Fürth ist Abstiegskandidat Nummer eins. Dass niemand dem Kleeblatt etwas zutraut, kann allerdings wie im Fall des SC Paderborn 2019/20 auch zur Chance werden. Selbst wenn die Saison besser als gedacht läuft, ist es jedoch vermessen, andere Saisonziele als den Klassenerhalt anzupeilen.

Titelfoto: Montage: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa, Marton Monus/dpa

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