Gehaltsregel im Profifußball: Sportökonom sieht eine ganz große Gefahr

Köln - Sportökonom Christoph Breuer sieht durch die neue Gehaltsregel im deutschen Profifußball die Gefahr, dass die aktuellen Kräfteverhältnisse in den Ligen zementiert werden.

Sportökonom Christoph Breuer befasst sich in seiner Forschungstätigkeit unter anderem mit dem Thema Sportentwicklung und beleuchtet dabei die Lage der Sportvereine.
Sportökonom Christoph Breuer befasst sich in seiner Forschungstätigkeit unter anderem mit dem Thema Sportentwicklung und beleuchtet dabei die Lage der Sportvereine.  © Fabian Strauch/dpa

"Die finanziellen Unterschiede zwischen den Clubs sind so groß, dass es kleineren und Nicht-Bundesligaclubs kurz- und mittelfristig kaum möglich sein wird, in der Kaderqualität mit den international spielenden Großclubs mithalten zu können", sagte Breuer der Deutschen Presse-Agentur.

"Denn auch die stark gewachsenen Prämien, insbesondere aus der Champions League, zählen zu den relevanten Einnahmen."

Die Kaderkosten der 36 Vereine im deutschen Profifußball werden künftig gedeckelt. Dann dürfen die Clubs maximal 70 Prozent ihrer relevanten Einnahmen für Personalausgaben aufwenden. "Dies ist grundsätzlich zu begrüßen und ein richtiger Schritt", sagte Breuer.

Nach Rauswurf bei RB Leipzig: Marco Rose zurück in der Bundesliga?
Fußball Bundesliga Nach Rauswurf bei RB Leipzig: Marco Rose zurück in der Bundesliga?

Die neue Regelung ist laut dem Wissenschaftler "in dreierlei Hinsicht konsequent". Sie führe zu mehr finanzieller Nachhaltigkeit, da Gehaltskosten nicht über Schulden, Immobilienverkäufe oder andere Ausweichmöglichkeiten finanziert werden könnten.

Zudem würden "zumindest in der Theorie vorhandenen Finanzierungsvorteile der beiden Werksclubs eingeschränkt" werden.

"Anwälte der Clubs dürften zur Höchstform auflaufen"

Sollte die Gehaltsregel im deutschen Profifußball tatsächlich umgesetzt werden, rechnet Breuer mit einer Klagewelle.
Sollte die Gehaltsregel im deutschen Profifußball tatsächlich umgesetzt werden, rechnet Breuer mit einer Klagewelle.  © Christian Charisius/dpa

Das helfe der Bundesliga in dieser wichtigen Debatte. Insgesamt passe die Bundesliga ihre Lizenzierungsregeln den UEFA-Regeln an.

"Für die Clubs, die an europäischen Wettbewerben teilnehmen, ändert sich ohnehin eigentlich nichts. Die anderen haben in den allermeisten Fällen auch ohne diese Regel entsprechend gehandelt", sagte Breuer.

"Es sichert jedoch ab, dass danach gehandelt werden muss. Man muss nicht mehr auf wirtschaftliche Vernunft vertrauen, ersetzt aber Freiheit durch Pflicht."

1. FC Köln leiht polnischen Nationalspieler von Wolfsburg aus
Fußball Bundesliga 1. FC Köln leiht polnischen Nationalspieler von Wolfsburg aus

Die Kaderkosten-Regel wird vor der kommenden Saison schrittweise eingeführt und vor der Spielzeit 2028/29 an vollständig umgesetzt.

Breuer hat "großes Vertrauen", dass die Regelung tatsächlich umgesetzt wird, "wenngleich Anwälte der Clubs zur Höchstform auflaufen dürften".

Titelfoto: Fabian Strauch/dpa

Mehr zum Thema Fußball Bundesliga: