65 Minuten Nachspielzeit in vier Spielen bei der WM: Schiri Patrick Ittrich erklärt den Grund!

Katar - Die Weltmeisterschaft 2022 in Katar entwickelt sich immer mehr zu einem Absurdum! In den ersten vier Partien der WM wurden bereits knapp 65 Minuten Spielzeit nachgespielt!

14 Minuten Nachspielzeit! Das könnte bei dieser WM keine Seltenheit sein.
14 Minuten Nachspielzeit! Das könnte bei dieser WM keine Seltenheit sein.  © Martin Rickett/PA Wire/dpa

6, 8, 9, 10, 11, 14 - das sind nicht die Lottozahlen für sechs Richtige, sondern die bisherigen Nachspielzeiten bei der diesjährigen Weltmeisterschaft.

Durchschnittlich wurden insgesamt 16,25 Minuten pro Spiel nachgespielt. Zum Vergleich: In der deutschen Bundesliga liegt die durchschnittliche Nachspielzeit bei vier (!) Minuten.

Nach der Partie zwischen den USA und Wales am Montagabend, als es in der zweiten Hälfte erneut eine Nachspielzeit von zehn Minuten gab, wurde das Thema in der WM-Sendung bei "MagentaTV" angesprochen.

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Als Schiedsrichter-Experte ist dort Bundesliga-Schiri Pattrick Ittrich (43) dabei. Auf die Frage, ob es eine Erklärung für diese enorm hohe zusätzliche Spielzeit gibt, holt Ittrich aus.

"Man möchte die Nettospielzeit auf 60 Minuten heben. Bei der letzten WM waren es 57 Minuten, das war denen [Anm. d. Red.: gemeint sind die FIFA und FIFA-Schirichef Pierluigi Collina] zu wenig. Man möchte mehr Fußball sehen", sagte der gebürtige Hamburger.

"Alles, was länger als 15 Sekunden dauert, kommt 'on top', plus Auswechslungen, plus Tore und das alles macht die lange Nachspielzeit aus, die gewünscht ist", fügte der 43-Jährige hinzu.

Ittrich befürwortet mehr Nachspielzeit - So wie bei der WM aber "grenzwertig"

Patrick Ittrich (43) kommt aufgrund seiner kommunikativen Art bei den Spielern und Funktionären gleichermaßen sehr gut an.
Patrick Ittrich (43) kommt aufgrund seiner kommunikativen Art bei den Spielern und Funktionären gleichermaßen sehr gut an.  © Soeren Stache/dpa

Eine lange Nachspielzeit kann einem Schiedsrichter auch zum Verhängnis werden. Jeder Schiri kämpft bei der WM um jedes Spiel, was er pfeifen darf. Häufen sich die Fehler, bekommen die Spielleiter weniger Partien.

Gerade in der Nachspielzeit werden die Spiele oft aber nochmal hitzig. Es kommt zu schwierigen und engen Entscheidungen, weil die Teams meist nochmal das Risiko, besonders bei einem Rückstand, erhöhen.

Schiri-Experte Ittrich befürwortet zwar eine längere Nachspielzeit, sieht die Handhabung bei der WM aber kritisch.

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"Ich sehe das ja alles aus Schiedsrichtersicht. Ich sehe das mit der Nachspielzeit auch grenzwertig. Wir müssen mehr Nachspielzeit machen, aber für solche Fälle finde ich es schon echt grenzwertig", sagte der 43-Jährige.

Patrick Ittrich gilt bei den Spielern, Offiziellen und Funktionäre der Vereine besonders aufgrund seiner kommunikativen Art als sehr beliebt. Der Hamburger hat in seiner Karriere 147 Erst- und Zweitligapartien gepfiffen. Zuletzt musste er aufgrund einer Verletzung allerdings aussetzen.

Titelfoto: Martin Rickett/PA Wire/dpa

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