3 statt 6500? FIFA-Präsident Infantino widerspricht Todeszahlen für WM in Katar!

Straßburg (Frankreich) - Ob ihm diese Aussage in Zukunft noch um die Ohren fliegt? FIFA-Präsident Gianni Infantino (51) hat sich auf einer Veranstaltung zu den Todeszahlen auf den WM-Baustellen in Katar geäußert und diese bestritten.

FIFA-Präsident Gianni Infantino (51) meint, dass es in Katar nur drei Tote in Zusammenhang mit den Bauarbeiten zur Weltmeisterschaft gibt.
FIFA-Präsident Gianni Infantino (51) meint, dass es in Katar nur drei Tote in Zusammenhang mit den Bauarbeiten zur Weltmeisterschaft gibt.  © dpa/Sebastian Gollnow

Dabei hatte die renommierte englische Zeitung "The Guardian" vor gut einem Jahr aufgedeckt, dass ungefähr 6500 Arbeiter im Emirat ihr Leben ließen. Die Dunkelziffer liege sogar deutlich höher.

Doch Infantino erklärte nun vor dem Europarat in Straßburg, dass das "einfach nicht wahr" sei. "Es sind drei. Drei sind immer noch zu viel, aber zwischen drei und 6500 ist ein großer Unterschied."

Er setzte noch einen drauf, indem er angab, dass die Arbeitsbedingungen vergleichbar mit denen in Europa seien. Infantino erklärte: "Ein Wandel erfolgt nicht schnell. In Europa dauerte es Jahrhunderte und Jahrzehnte. Dank der WM und dank des Schlaglichts hat sich das System in Rekordzeit in nur wenigen Jahren entwickelt."

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Er führte weiter aus: "Es muss noch viel getan werden, viel geändert werden. Wir müssen den Druck aufrechterhalten, aber auch anerkennen, dass es Änderungen gab."

Verwunderlich sind solche Sätze nicht, zog der FIFA-Boss doch laut der Schweizer Zeitung "SonntagsBlick" im vergangenen Oktober nach Katar, genauer gesagt nach Doha, wo er für sich und seine Familie ein Haus gemietet hat. Hier sollen zwei seiner vier Töchter zur Schule gehen. Er zeige sich angeblich nur noch selten im Hauptsitz des Fußball-Weltverbandes in Zürich, was nicht gut ankäme.

Rede von FIFA-Präsident Gianni Infantino auf Englisch im Video (ab 19:26 Minuten)

FIFA-Boss Gianni Infantino überschreitet die Grenze zur Geschmacklosigkeit

Da kann man nur große Augen machen: Die Aussagen und Argumente von FIFA-Präsident Gianni Infantino (51) wirkten fehlplatziert.
Da kann man nur große Augen machen: Die Aussagen und Argumente von FIFA-Präsident Gianni Infantino (51) wirkten fehlplatziert.  © dpa/Sebastian Gollnow

Bei seiner Rede kritisierte er nun natürlich die UEFA und damit Europa für ihre ablehnende Haltung gegenüber einer Weltmeisterschaft im Zwei-Jahres-Rhythmus: "Wir sehen, dass Fußball sich in eine Richtung entwickelt, wo wenige alles haben und die Mehrheit hat nichts. In Europa findet die WM zweimal pro Woche statt, weil die besten Spieler in Europa spielen."

Neben diesem Kontinent ist auch noch Südamerika gegen eine solch tiefgreifende Änderung, denn auch so sind die besten Spieler extrem belastet, weshalb sie immer wieder mit Verletzungen ausfallen und nach einer langen Saison oft nicht mehr an ihr Toplevel herankommen, weil die Pausen immer weniger werden.

Überragendes sportliches Niveau ist deshalb nur teilweise zu sehen. Doch Infantino meinte weiter: "Wir müssen die gesamte Welt miteinbeziehen" und erklärte weiter: "Wir müssen den Afrikanern Hoffnung geben, dass sie nicht über das Mittelmeer kommen müssen, um hier vielleicht ein besseres Leben führen zu können. Wir müssen ihnen Möglichkeiten und Würde geben."

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Was das genau mit dem Fußball zu tun hat, erschließt sich nicht, zeigt aber deutlich auf, wie sehr Infantino und seine Leute gewillt sind, die FIFA-Pläne mit aller Macht durchzusetzen und mit einer WM im Zwei-Jahres-Rhythmus noch mehr Kohle zu scheffeln. Dass seine Argumente die Grenzen zur Geschmacklosigkeit deutlich überwunden haben, ist ihm dabei offenbar egal bzw. nicht aufgefallen...

Titelfoto: dpa/Sebastian Gollnow

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