San José (USA)/Leipzig - Timo Werner (30) ist unbestritten einer der wichtigsten Spieler, die RB Leipzig an den Punkt gebracht haben, wo der Verein heute steht. Doch die vielen Tore täuschen nicht über das hinweg, was der frühere Nationalspieler auch Negatives erleben musste.
"Ich hatte eine Menge wirklich harter Momente, in denen ich auch zu Hause am Boden zerstört war. Ich dachte mir: 'What the f*ck?", berichtet der 30-Jährige im Podcast "The Late Run".
Der im Januar nach - mit Leih-Unterbrechungen - insgesamt sechs Jahren bei den Roten Bullen zu San José Earthquake in die USA gewechselte Stürmer weiter: "In jedem Stadion buhten sie mich aus, sie hatten Lieder gegen mich. Ich konnte in keiner Stadt, in die ich kam, bleiben, weil sie mich auf der Straße verfolgten."
Auslöser ist seine Schwalbe vor zehn Jahren gegen den FC Schalke 04, die als Foul gewertet wurde. Nach dem anschließend durch ihn verwandelten Strafstoß entlud sich der Hass auf Werner, auf den Ikke Hüftgold sogar der Ballermann-Song "Urensohn" geschrieben hatte.
Dennoch habe der gebürtige Stuttgarter "nie aufgehört, nie aufgegeben. Ich bin immer rausgegangen, obwohl ich wusste, dass 60.000, 70.000 Leute mich ausbuhen und gegen mich sind. Und ich habe das durchgestanden."
Mit San José ist der 57-malige Nationalspieler Dritter der Western Conference geworden. In 20 Spielen kommt der 30-Jährige auf sechs Tore und sechs Vorlagen. Zuletzt beim 2:2 gegen die Colorado Rapids, einen Tag nach dem Interview, sah der Angreifer die erste Rote Karte seiner Karriere.
Interview mit Timo Werner bei "The Late Run"
Timo Werner: "Eine Schande, dass wir keine Titel gewonnen haben"
Noch heute hadert Timo Werner, dass besonders in der Zeit zwischen dem Bundesliga-Aufstieg 2016 und seinem Wechsel zum FC Chelsea 2020 kein Titel mit RB Leipzig herausgesprungen ist.
"Wenn ich auf die Mannschaft gucke, ist es eigentlich eine Schande, dass wir keine Titel gewonnen haben", so Werner. Damals kickte er mit heutigen Weltstars wie Dayot Upamecano (28, jetzt FC Bayern), Ibrahima Konaté (27, Real Madrid), Dominik Szoboszlai (26, FC Liverpool), Dani Olmo (28, FC Barcelona), Christopher Nkunku (28, aktuell von AC Mailand an Leipzig verliehen) und Matheus Cunha (27, Manchester United).
Erst nach seinem Weggang holten die Sachsen zweimal in Folge den DFB-Pokal (2022 und 2023), erreichten mit ihm immerhin das Champions-League-Halbfinale im Corona-Jahr 2020.