Max Eberl packt über Burnout aus, kritisiert Gladbach: "Habe viel geweint"

Leipzig - In einem Interview mit WELT sprach Fußball-Manager Max Eberl (49) erstmals über die wohl dunkelste Zeit seines Lebens - und seine Gründe für seinen baldigen (umstrittenen) Posten bei RB Leipzig.

Im Januar dieses Jahres hatte sich Max Eberl (49) unter Tränen aus den Geschäften von Borussia Mönchengladbach zurückgezogen.
Im Januar dieses Jahres hatte sich Max Eberl (49) unter Tränen aus den Geschäften von Borussia Mönchengladbach zurückgezogen.  © Christian Verheyen/Borussia Mönchengladbach/dpa

Die Aufregung war groß, als Eberl im Januar 2022 seinen Rücktritt als langjähriger Geschäftsführer von Borussia Mönchengladbach verkündet hatte und daraufhin in eine monatelange Burnout-Pause verschwunden war.

Im September hatte er sich mit den Fohlen auf eine Vertragsauflösung geeinigt, dann folgte der nächste Hammer: Ab Dezember wird er als Geschäftsführer von RB Leipzig arbeiten.

Während seiner Auszeit bereiste er Länder wie die Malediven, Argentinien und Namibia - und beschäftigte sich zum ersten Mal mit sich selbst, der "Person Max Eberl", wie er erzählte: "Als ich aus Argentinien zurückgekommen bin, habe ich mir professionelle Hilfe genommen und professionell reflektiert."

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Diese Erfahrung sei sehr intensiv und schmerzhaft gewesen. "Ich habe auch viel geweint", gab er zu. "Inzwischen bin ich an einem Punkt, an dem ich Dinge viel bewusster mache."

Während seiner jahrelangen Karriere als Fußballer und schließlich Manager habe er sich keinerlei Verschnaufpausen gegönnt, woran letztlich dann sogar seine Ehe zerbrochen war. Anstatt diese Trennung richtig zu verarbeiten, habe er die Probleme einfach immer weiter verdrängt, bis sich ein riesiger Berg gebildet hatte: "Max Eberl ist immer marschiert."

Heute sehe er ein, dass er in einer Sackgasse gefangen gewesen war: "Es hat gedauert, bis ich das gemerkt habe und akzeptieren konnte, dass der Fußball mal nicht der Mittelpunkt in meinem Leben ist."

Max Eberl über neuen Job: "Habe einfach Bock, für Leipzig zu arbeiten"

Ab dem 15. Dezember wird Max Eberl als RB Leipzig-Sportchef tätig sein. Er freut sich auf die neue Aufgabe.
Ab dem 15. Dezember wird Max Eberl als RB Leipzig-Sportchef tätig sein. Er freut sich auf die neue Aufgabe.  © Marius Becker/dpa

Dennoch kehrt Eberl jetzt zum Fußball zurück - und zwar in Leipzig. Bei vielen Fans, besonders natürlich in Gladbach, hatte dies eine Welle der Empörung und Wut ausgelöst. Diese Debatte war natürlich nicht an dem 49-Jährigen vorbeigegangen.

Jahrelang hätte er die Bedürfnisse anderer Menschen vor seine eigenen gesetzt - nur damit diese mit ihm zufrieden waren und er ihnen gefiel. "Heute aber sage ich: Am Ende gibt es nur einen, dem du wirklich Rechenschaft ablegen musst, und das bist du selbst", stellte er klar. "Und ich habe einfach Bock, für Leipzig zu arbeiten."

Vor allem von Gladbacher Fans waren ihm nach seiner Einigung mit RB Leipzig "Lügen und Theaterspiel" bezüglich seiner Erkrankung vorgeworfen worden.

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Das und die fehlende Richtigstellung seines ehemaligen Klubs hätten ihn schwer getroffen. "Im Verein wissen sie, wie es mir gegangen ist und wie oft ich in Gesprächen geweint und gesagt habe, dass ich nicht mehr kann. Deshalb enttäuschte es mich sehr, dass Menschen, mit denen ich 23 Jahren lang fast täglich zusammengearbeitet habe, mir nicht glauben."

Letztlich äußerte er noch deutliche Kritik an den Personen, die sein Burnout öffentlich angezweifelt hatten: "Die Menschen, die so etwas schreiben, sind das Problem."

Titelfoto: Marius Becker/dpa

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