NOFV hat die Faxen dicke! Neuer Strafen-Wahnsinn für die Regionalliga Nordost

Berlin - Dieses unscheinbare Dokument hat es so richtig in sich! Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV), unter anderem Träger der Regionalliga Nordost, hat am Donnerstagabend eine Mitteilung versandt, die gewaltig Sprengstoff enthält.

Präsident Hermann Winkler (63) und der NOFV ziehen die Daumenschrauben für ihre Vereine deutlich an.  © Sebastian Gollnow/dpa

Alle paar Monate gibt der Verband die "Amtlichen Mitteilungen" an seine Klubs und die breite Öffentlichkeit heraus.

Darin werden neben Bekanntmachungen auch Neuerungen und Beschlüsse kommuniziert – wie den neuen "Strafenkatalog" für Vereine und Spieler.

Ein Beispiel: Verursacht ein Verein einen Spielabbruch oder Spielausfall, kostet das richtig Kohle! Künftig sind das 20.000 Euro statt 5000 Euro. Verstöße werden auf Grundlage der sogenannten "Rechts- und Verfahrensordnung" in den Paragrafen 31, 32 und 33 sanktioniert.

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Ein Spielabbruch ist sicher eine Seltenheit, doch es geht weiter – die regelrechte Absagenflut von zig Partien im zurückliegenden Winter hat Folgen:

Nimmt ein Verein seine Verantwortung als Entscheider über die Bespielbarkeit des Platzes nur unzureichend wahr, droht eine Strafe von bis zu 10.000 Euro und damit doppelt so viel wie bisher.

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NOFV greift den Vereinen bei verspätetem Anpfiff oder verschuldeten Spielausfällen tiefer in die Tasche

Stephan Oberholz (62, l.) ist im NOFV Vizepräsident Recht und will mit den neuen, verschärften Strafen härter durchgreifen.  © Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Auch bei "schuldhaft verspätetem Antreten" zu Spielen greift der Verband richtig durch: Bis zu 5000 Euro Strafe können fällig werden, wenn ein Verein zum Beispiel am Freitagnachmittag zu spät zu einem Auswärtsspiel aufbricht und dadurch in einen Stau gerät.

Noch teurer wird es, wenn ein Heimverein den Platz nicht nach Vorschriften aufbaut oder es zu Ausschreitungen kommt, weil der Ordnungsdienst nicht ausreicht: Neben einer Platzsperre oder einem Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit können bis zu 50.000 Euro Sanktion fällig werden.

Auch Vergehen von Spielern werden künftig härter behandelt. Befolgt ein Akteur nicht die Anweisungen des Schiedsrichters, kann das bis zu 1000 Euro kosten.

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Krass unsportliches Verhalten bis 10.000 Euro – und damit ein Vielfaches der Monatsgehälter der allermeisten Spieler.

NOFV erwischt Klubs auf kaltem Fuß, Vereinsvertreter kritisiert Zeitpunkt der Kommunikation

Die Klubs werden künftig deutlich härter zur Kasse gebeten – und kritisieren die Kommunikation des Verbandes.  © Hendrik Schmidt/dpa

Ob sich der NOFV mit dem Vorgehen und der Art der Kommunikation einen Gefallen tut?

TAG24 hakte am Freitagvormittag per Stichprobe bei einem Vereinsvertreter nach. Dieser wurde von der Information überrumpelt und kritisierte den Zeitpunkt des Veröffentlichung (am Abend vor dem Mai-Feiertag). Er hätte sich eine Vorwarnung und inhaltliche Auseinandersetzung gewünscht.

Fakt ist: Speziell die zig Sonderfälle bei Spielausfällen und Spielverlegungen sorgten diese Saison für so viel Kritik wie wohl noch nie. Dass der NOFV in der Sache jetzt harte Hand beweist, ist zum einen nachvollziehbar.

Allerdings sollte der Verband nicht vergessen, dass zig Klubs, gerade im unteren Segment der Regionalliga Nordost und nahezu vollständig in den Oberligen, von vielen Ehrenamtlichen gerockt werden.

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