Für seine Tochter: Dieser Trainer kämpft für mehr Inklusion im Fußball
Hamburg/Brake - Seit April dieses Jahres trainiert Andreas "Andi" Hinrichs die erste Inklusionsmannschaft des SV Brake. Für den ehrenamtlichen Fußballtrainer ist das weit mehr als nur ein neues Sportangebot. "Das ist ein ganz wichtiges Signal", betont Hinrichs im TAG24-Gespräch. Gemeinsam mit dem Verein möchte er Menschen mit Behinderung mehr Teilhabe ermöglichen und den Inklusionssport in der Region nachhaltig stärken.
Der gebürtige Norddeutsche beschäftigt sich bereits seit Jahren mit dem Thema. Vor sechs Jahren gründete er das "Projekt Handicap 2020", damals noch als Assistenztrainer einer Inklusionsmannschaft beim VfL Edewecht.
Nach einer Zwischenstation beim VfL Oldenburg führte ihn sein Weg schließlich nach Brake. Der Kontakt kam über Brakes Bürgermeister Michael Kurz (63, SPD) zustande.
"Im Februar habe ich mit dem Verein gesprochen, im März waren wir uns einig und im April sind wir gestartet", berichtet Hinrichs.
"Wir waren sofort offen für das Thema", sagte auch Vereinsvorsitzender Tobias Mentz bei der Vorstellung des Projekts im April.
"Inklusion ist ein Bereich, den wir im Verein bislang nicht abbilden konnten. Umso mehr freuen wir uns, dieses Angebot nun für Brake und die gesamte Region schaffen zu können."
Die Resonanz übertreffe bislang alle Erwartungen, so Hinrichs. Trainiert wird jeden Montag von 16.30 bis 18 Uhr. Mittlerweile gehören bereits 22 Spielerinnen und Spieler zur Mannschaft, Anfang April waren es noch fünf. Die Altersspanne reicht von elf bis 99 Jahren. Unterstützt wird das Projekt von verschiedenen Einrichtungen, darunter auch die Lebenshilfe und der DRK-Kreisverband Wesermarsch.
Andi Hinrichs: "Ich mache das für Menschen, die schlichtweg keine Lobby haben"
"Mir ist wichtig, Menschen mit Behinderung stärker in die Öffentlichkeit zu bringen. Sie haben es verdient, gesehen zu werden – auch im Sport. Ich mache das für Menschen, die schlichtweg keine Lobby haben", betont Hinrichs.
Eine besondere Rolle hinter seiner Motivation spielt seine Tochter Svenja. Die 28-Jährige wurde mit einer geistigen Behinderung geboren und spielt seit fast zwei Jahrzehnten Fußball.
Aktuell ist sie in der "Bunten Liga" von Werder Bremen aktiv – "Die uns auch tatkräftig unterstützen" – und gehört seit April auch wieder zur Mannschaft ihres Vaters in Brake.
"Eigentlich ist es wieder ein Familienprojekt geworden", sagt Hinrichs, denn auch seine Frau Heike ist diesmal fest im Trainerstab aktiv.
Besonders bewegend seien die individuellen Geschichten innerhalb der Mannschaft. So habe ein Spieler mit Down-Syndrom zuvor nie Fußball gespielt: "Er hat seine Ängste überwunden und macht inzwischen mit. Es gibt Tage, an denen es besser läuft, und Tage, an denen es schwieriger ist. Aber er gehört zu uns und ist immer willkommen. Insgesamt ist in kurzer Zeit ein sehr starker Zusammenhalt entstanden."
Nach Ansicht von Hinrichs weckt Fußball zusätzlich den Ehrgeiz von Menschen mit Behinderung und motiviert sie, persönliche Ziele zu erreichen. Das habe er bereits früh durch seine Tochter erkannt.
Ehrenamtlicher Trainer gründet neue Inklusionsliga
Neben dem sportlichen Aspekt stehe vor allem das Miteinander im Mittelpunkt. Das Training umfasst deshalb nicht nur klassische Fußballübungen, sondern auch Gymnastik sowie Übungen zur Förderung des Gemeinschaftsgefühls.
Gerade erst begonnen, denkt Andi Hinrichs bereits einen Schritt weiter. Gemeinsam mit Unterstützern hat er eine neue Inklusionsliga auf den Weg gebracht.
Sechs Mannschaften haben ihre Teilnahme bereits zugesagt. Das erste Turnier soll am 22. August stattfinden und den offiziellen Startschuss geben.
"Bei uns steht die Teilhabe im Vordergrund. Niemand steigt ab. Es geht um Spaß, Mitbestimmung und darum, die Liga gemeinsam weiterzuentwickeln", erklärt Hinrichs. Langfristig träumt er sogar von einer bundesweiten, vereinsübergreifenden Inklusionsliga.
Gespräche mit weiteren Vereinen würden bereits laufen. Größen wie Hannover 96 und Schalke 04 hätten bereits ihre Unterstützung signalisiert.
Bemerkenswert dabei: Sämtliche Arbeit erfolgt ehrenamtlich. Für Hinrichs ist das selbstverständlich. Die größte Belohnung seien ohnehin die strahlenden Gesichter der Spielerinnen und Spieler. "Wenn die Menschen lachen, Spaß haben und das Gefühl bekommen, dazuzugehören, dann weiß ich, warum ich das mache."
Titelfoto: SV Brake

