Köln - Mit einer durchschnittlichen Auslastung von über 99 Prozent und einer Kapazität von 50.000 Fans gehört die Heimspielstätte des 1. FC Köln zu den meistbesuchten Stadien Europas. Kein Wunder also, dass der rheinische Traditionsklub immer wieder Überlegungen anstellt, das RheinEnergie-Stadion auszubauen.
Ausgerechnet Klubpräsident Jörn Stobbe (60) wagt nun einen neuen Anlauf. Er wolle das Thema unbedingt angehen, erklärt der Immobilienunternehmer gegenüber dem "Kölner Stadt-Anzeiger".
Bei den Geißböcken sei man schlicht nicht mehr zufrieden mit dem eigenen Wohnzimmer. "Wir lieben es, aber es ist ein bisschen in die Jahre gekommen. Und es ist ganz einfach zu klein", meint Stobbe.
Für einen potenziellen Ausbau müsse man allerdings zunächst den Ist-Stand auf den Prüfstand stellen und "die vielen dicken Bretter aufbohren". Unter anderem ginge es dabei um zentrale Fragen wie die Einnahme- und die Kostenseite oder die Statik des Bauwerks.
Insgesamt sei in den vergangenen Jahren schon viel berechnet worden, einen Grund, der einen Ausbau definitiv verhindern würde, sieht der 60-Jährige dabei nicht. "Wenn man aber versucht, alle Bretter gleichzeitig durchzubohren, scheitert man", so Stobbe.
Trotzdem hat er Hoffnung: "Man muss sie isolieren, mit den richtigen anfangen, die richtige Reihenfolge finden. Dann halte ich das für möglich."
Stadionausbau könnte laut Klubpräsident Jörn Stobbe zum "Gamechanger" für den 1. FC Köln werden
Ein Ausbau würde seiner Meinung nach aber nur dann Sinn ergeben, wenn man direkt den großen Wurf ins Auge nimmt. Zwar sei grundsätzlich auch denkbar, die Betriebserlaubnis auch im kleineren Rahmen auszuweiten, wirtschaftlich ergebe eine Baumaßnahme aber "nur Sinn, wenn man nicht von 50.000 auf 55.000 oder 60.000 geht, sondern wirklich auf 75.000".
Auch über eine mögliche Finanzierung hat sich der Immobilienexperte bereits Gedanken gemacht. So sei etwa die Gründung einer Immobiliengesellschaft denkbar. Zudem könne man über Crowdfunding nachdenken oder gar einen Finanzierungspartner mit ins Boot holen.
Einzige Einschränkung: Ein potenzieller Geldgeber dürfe auf Vereinsebene kein Mitspracherecht haben - und nicht zu viel Pacht verlangen. "Wenn jemand kommt und sagt, er baut uns ein Stadion, 20 Jahre Pacht à zehn Millionen Euro - den würden wir sofort wieder wegschicken."
Ziel eines Ausbaus sei es schließlich, einerseits das Ticketkontingent für die Fans zu erhöhen und andererseits den sportlichen Erfolg durch höhere Einnahmen zu fördern. "Eigentümer eines modernen, solide finanzierten Stadions zu sein - das könnte der Gamechanger für den 1. FC Köln sein. Wichtig ist der Dreiklang: solide Prüfung, gute Kommunikation, Legitimation durch Mitgliedschaft", betont Stobbe.