Sheraldo Becker erlöst Union Berlin in Europa League, doch jetzt droht Nachspiel nach Pyro-Eklat

Berlin - Was ist bloß mit den Fanlagern der deutschen Europa-Cup-Teilnehmer los? Immer wieder ist es in den vergangenen Wochen zu unschönen Szenen bei Auswärtspartien gekommen.

Beamte der schwedischen Polizei marschieren vor dem Union-Block auf.
Beamte der schwedischen Polizei marschieren vor dem Union-Block auf.  © Johan NILSSON / TT NEWS AGENCY / AFP

Schlachtenbummler des 1. FC Köln prügelten sich mit gegnerischen Fans im Stadion von OGC Nizza und mitgereiste Anhänger von Eintracht Frankfurt waren für "kriegsartige Szenen" in Marseille mitverantwortlich, Hitlergruß und Schwerverletzter inklusive.

Am Donnerstag haben sich dann auch fehlgeleitete Fans des 1. FC Union Berlin in diese hässliche Riege eingereiht. Beim so wichtigen Auswärtsspiel gegen Malmö FF sorgten Pyro-Chaoten beider Lager für eine knapp 30-Minütige Spielunterbrechung. Die schwedische Polizei musste einschreiten!

Vor dem Gästeblock detonierten lautstark Böller. Zudem wurden Raketen auf das Spielfeld und in den gegnerischen Block geschossen, sodass der türkische Schiedsrichter Halil Umut Meler (36) keine Wahl hatte und die Spieler zwischenzeitlich in die Kabinen schicken musste.

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Erinnerungen an das 2019er Hauptstadtderby im Stadion An der Alten Försterei wurden wach, als sich die sogenannten Fans der Eisernen mit denen von Hertha BSC duellierten. Damals wäre es beinahe zu einem Platzsturm einiger Union-Fans gekommen.

Union-Ultras stehen vermummt im Gästeblock des Eleda Stadions

Vor dem Union-Block detoniert ein Böller, eine Rakete wird in den gegnerischen Block geschossen

Union Berlins Präsident Dirk Zingler verurteilt Krawalle in Malmö

Union-Präsident Dirk Zingler (58) schäumte vor Wut wegen den Ausschreitungen im Eleda Stadion.
Union-Präsident Dirk Zingler (58) schäumte vor Wut wegen den Ausschreitungen im Eleda Stadion.  © Matthias Koch/dpa

Ein Grund für die Ausschreitungen in Malmö könnte dabei auch die bestehende Fanfreundschaft zwischen FF und den blau-weißen Stadtrivalen der Köpenicker gewesen haben.

Im Eleda Stadion waren auch Hertha-Fahnen und -Banner zu sehen und es sollen sich Anhänger der Alten Dame am Spielort befunden haben. Zudem seien auch Fans von Unions altem Ost-Rivalen BFC Dynamo zugegen gewesen. Das mögen zwar alles mögliche Auslöser für die Krawalle sein, doch darf das sicherlich nicht als Grund oder Ausrede für die Randale gelten.

Im Block der Roten sollen sich derweil auch Schlachtenbummler von Energie Cottbus und Borussia Mönchengladbach aufgehalten haben.

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Union-Präsident Dirk Zingler (58) schäumte aufgrund der Vorfälle vor Wut: "Das werden wir auswerten mit der Szene, das ist ganz klar", kündigte er nach Spielschluss an.

"Der ganze Tag war ein Tag voller Provokationen, die Malmöer laden sich Leute aus der Hauptstadt ein, wir laden uns Leute vom Dorf ein - und dann haben wir gegenseitig unsere Gäste nicht im Griff", tobte der 58-Jährige.

Hertha-Banner im Stadion von Malmö FF zu sehen

Union-Präsident Dirk Zingler äußert sich zu den Vorfällen in Malmö

Sheraldo Beckers Tor lässt Union Berlin auf Weiterkommen in der Europa League hoffen

Sheraldo Becker (27, M.) feiert den erlösenden Treffer zum 1:0 für Union Berlin.
Sheraldo Becker (27, M.) feiert den erlösenden Treffer zum 1:0 für Union Berlin.  © Johan NILSSON / TT NEWS AGENCY / AFP

Doch kommen wir nach all dem Unerfreulichen endlich wieder zurück zum Sportlichen: Die Eisernen können nach dem hart erkämpften 1:0-Sieg ihren ersten Erfolg in der Europa League verbuchen.

Denn obwohl Andras Schäfer (23) in der Nachspielzeit der ersten Hälfte nach einem kapitalen Schnitzer zu einer Notbremse greifen musste, konnten die Berliner die drei Punkte in Unterzahl mit nach Hause nehmen.

Goalgetter Sheraldo Becker (27) sorgte nach 68 Zeigerumdrehungen für das erlösende und entscheidende 1:0. Der Niederländer spielte nach einem Steilpass von Abwehrchef Robin Knoche (30) seine Geschwindigkeit aus und ließ dem gegnerischen Keeper mit seinem präzisen Abschluss keine Abwehrmöglichkeit.

Schade nur, dass dieser sportliche Erfolg von den Geschehnissen rund um die Partie überschattet wird. "Dass eine Minderheit es einfach immer wieder hinbekommt, dass man nicht über das Spiel spricht. Da fehlen mir die Worte. Das finde ich beschämend", stellte daher auch Union-Coach Urs Fischer (56) nach der Begegnung enttäuscht fest.

Die Union-Kicker lassen sich nach dem Sieg im gleißenden Pyro-Licht von den mitgereisten Fans feiern.
Die Union-Kicker lassen sich nach dem Sieg im gleißenden Pyro-Licht von den mitgereisten Fans feiern.  © Johan NILSSON / TT NEWS AGENCY / AFP

Bereits am kommenden Donnerstag (21 Uhr/RTL) stehen die Kontrahenten sich erneut gegenüber und somit kreuzen sich auch die Wege der beiden "Fanlager" in kurzer Zeit zum zweiten Mal. Ob die UEFA schon im Vorfeld des Rückspiels mit Sanktionen auf die Vorfälle in Malmö reagieren wird, bleibt abzuwarten. Das vorhandene Konflikt- und Gewaltpotential ist auf jeden Fall als hoch einzuschätzen.

Titelfoto: Johan NILSSON / TT NEWS AGENCY / AFP (Bildmontage)

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